Donnerstag, 14. Januar 2010

Die würden sogar ihre Großmütter verkaufen…


Schalke 04 war schon immer für großes Theater gut. Lange Zeit war es ratsam, Mitglied bei den Gelsenkirchenern zu sein. Für sein Geld bekam man auf der Mitgliederversammlung mehr geboten, als auf einer Karnevalssitzung (zumindest einer Mainzer) oder bei einem Oktoberfestbesuch: Irre Leute, große Sprüche, Vollrausch, Gesang und gelegentlich was vor die Backen. Auf Schalke schwur man Meineide, auf Schalke war der Sonnenkönig. Sportlich gab es viel Durchschnitt und manchmal ein paar Hochs und Tiefs. Treu waren immer die Zuschauer, die auch bei Wind, Wetter und absehbar unglaublich unattraktiven und bedeutungslosen Spielen ins Parkstadion strömten.

In den letzten Jahren haben Größenwahn und Missmanagement auf Schalke aber eine Form angenommen, die alles Bisherige in den Schatten stellt. Und wenn nicht bedingungslose Liebe und Treue bei den Königsblauen ein Massenphänomen wäre, würden sich wahrscheinlich zigtausende angewidert abwenden und ihr Seelenheil in Herne, Wanne-Eickel oder Bochum suchen. Gut für Bochum, dass dies nicht so ist.

Mittlerweile hat man sich vom ziemlich sozialdemokratischen ehemaligen Bundeskanzler einen Deal mit dem ziemlich seriösen Unternehmen eines ziemlich demokratischen Staates vermitteln lassen. Mittlerweile hat man auch Teile der Zuschauereinnahmen des nächsten Vierteljahrhunderts versilbert und nun geht es daran, auch zukünftige mögliche Transfererlöse bereits heute in der Kasse zu haben. Außerdem hat die Stadt Gelsenkirchen über eine ihrer kommunalen Tochtergesellschaften mal locker einen Betrag in Höhe des Saisonetas des VfL Bochum reingehauen, um gravierende Einschnitte oder gar eine Insolvenz zu verhindern. Der Verein selber hat Mitarbeiter entlassen.

Felix Magath nehme ich es ab, den Verein umzustrukturieren zu wollen. Er setzt auf junge oder günstige Spieler. Stars wie Neuer, Kuranyi, Farfan oder Rafinha werden abgegeben werden müssen, um Transfereinnahmen zu erzielen und Lohnkosten zu senken. Die Qualifikation für die Champions League wird aber Voraussetzung dafür sein, dass überhaupt eine Sanierung begonnen werden kann. Bis dahin muss aber noch sehr kreativ mit Geld und Zahlen jongliert werden.

Auf an die 300 Millionen Euro sollen sich die Gesamtverbindlichkeiten des Vereines belaufen. Damit hätte ich rund 1.500 Jahre den FC Eintracht Schwerin über Wasser halten können oder Werner Altegoer eineinhalb weitere Jahrzehnte den VfL Bochum.

Es ist unglaublich, dass sich ein solcher Zustand, den man nur aus Italien, Spanien und neuerdings England zu kennen glaubte, in Deutschland weitgehend unwidersprochen etabliert hat.

Für mich ist es ein Grund mehr, dem S04 nichts aber auch gar nichts zu gönnen. Ich hoffe, sie scheiden möglichst schon am 10. Februar in Osnabrück aus dem DFB-Pokal aus. Ich hoffe, sie kriegen in den Bundesliga den totalen Einbruch und landen hinter Leverkusen, den Bayern, Werder, Hamburg, Hoffenheim, Wolfsburg und von mir aus auch Dortmund und anderen Mannschaften irgendwo im Mittelfeld. Ich hoffe, damit bricht das ganze wettbewerbsverzerrende Konstrukt zusammen. Ich hoffe, Schalke bekommt die Chance auf einen seriösen Neuanfang. Auch die Anhänger hätten das verdient.

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