Mittwoch, 7. April 2010

Immer wieder HSV

Mit keinem anderen Gegner verbinde ich so viele, intensive und wegweisende Duelle, wie mit dem HSV. Nicht Köln, nicht Leverkusen, nicht die Bayern und auch nicht irgendwelche Ruhrgebietsclubs. Nein, der HSV hat meine VfL-Wege nachdrücklich gekreuzt.
12. April 1988: Pokal-Halbfinale. Durch einen 2:0 Sieg im Ruhrstadion (Tore: Kree, Iwan) sichert sich der VfL die zweite (und vorerst letzte) und meine erste Endspielteilnahme.
16. April 1993: Nach einer etwas ruhigeren Fußballphase (Bundeswehr, Studium, Mädels,...) war es wieder eine intensive Saison mit dem VfL, die in einem Mitgliedsantrag und später in einer Dauerkarte endete. Am 26. Spieltag empfing der VfL als Tabellenletzter den HSV und es war klar, dass dies ein vorentscheidends Spiel um den Klassenerhalt sein würde. Der VfL verlor 1:2 (Anschlusstreffer: Aden), blieb Schlußlicht und stieg letztendlich mit einem Punkt Rückstand auf Dynamo Dresden (die wegen Lizenzvergehen mit einem Punktabzug bestrafft wurden, der aber erst in der folgenden Saison vollstreckt wurde) ab.
23. August 1998: Das im Umbau befindliche Volksparkstadion bot eine traurige Kulisse für einen traurigen Auftritt des VfL. Mit 1:0 gewann der HSV durch einen Spieler mit Namen Dembinski. Das Spiel war Endstation eines Ostsee-Urlaubs. Stefan Kuntz versuchte sich als Libero und am Ende war der VfL mit acht Punkten Rückstand abgestiegen.
3. und 8. Dezember 2002: Innerhalb von wenigen Tagen zweimal beim HSV. Das Pokal-achtelfinalspiel wurde glücklich mit 1:0 gewonnen (Tor: Freier), im Meisterschaftsspiel erzielte Graulund in der 90. Minute das ebenfalls glückliche 1:1. Meine HSV-Anhänger-Begleitung war auf der Rückfahrt nach Schwerin restlos bedient.
21. Mai 2005: Am letzten Bundesligaspieltag verabschiedet sich der VfL mit einem 1:0 Sieg (Tor: Diabang, 3. Minute) in Hamburg wieder mal für eine Jahr aus der Bundesliga.
2. Dezember 2006: Gemeinsam mit zwei Freunden ging es von Schwerin per Zug nach Bochum und zurück. Auf der Hinfahrt brannte der Zug, auf der Rückfahrt jagte eine Verspätung die andere, so dass wir sehr sehr spät wieder in Schwerin waren. Dazwischen lagen viele Biere und ein 2:1 Sieg des VfL (Tore: Dabrowski, Misiomovic), ein Platzverweis für van der Vaart und der Sprung des VfL von einem Abstiegsplatz. Nach diesem 15. Spieltag war der VfL 15. und der HSV 17.
5. Mai 2007: Das Rückspiel: Im Rahmen eines tollen Saisonendspurts siegte der VfL mit 3:0 in Hamburg (Tore: Gekas, Grote Misimovic) und beendete die Saison als 8., einen Platz hinter dem HSV und einen vor dem BVB.

Das Spiel am Sonntag steht für beide Teams unter keinem guten Stern. Zwar trifft Guerrero beim HSV wieder ins Schwarze, aber im Verein stimmt es vorne und hinten nicht. Launische Spieler, mit den Gedanken schon beim nächsten Verein, unzufriedene Fans und der Sturz auf Rang 6. Die neuerliche Teilnahme am europäischen Wettbewerb ist ernsthaft in Gefahr, auch wenn der HSV im laufenden Europa-League-Wettbewerb (nach glücklichem Weiterkommen gegen Eindhoven und Anderlecht) noch gute Chancen hat - und hoffentlich am Donnerstag in Lüttich ordentlich Kräfte läßt.

Das Hinspiel gewann der VfL glücklich durch ein Tor von Grote mit 1:0. Insgesamt gewann der VfL zu Hause fast jedes zweite Spiel gegen den HSV. Nur acht der 35 Partien gingen verloren (Bilanz: 17-10-8). Seit 2001 endeten die Spiele im Ruhrstadion allesamt 2:1 (2x für Bochum, 1x für den HSV) oder 1:1 (4x).

Wichtig wird am Sonntag das Mittelfeld sein. Wer kauft wem den Schneid ab? Maric, Holtby, Dabrowski und Co müssen hier die Bälle gewinnen und wenig zulassen. Van Nistelroy braucht in der Regel nur wenige Chancen um zu treffen und es bereitet Schmerzen, sich Zweikämpfe zwischen ihm und der Bochumer Innenverteidigung vorzustellen. Ze Roberto kann ein genialer Antreiber sein, wenn man ihn läßt. Fraglich ist, wer das Bochumer Offensivspiel beleben soll. Sestak steht oft neben sich. Epalle und Dedic haben zuletzt wenig gezeigt und sind zudem angeschlagen. Vielleicht Freier, vielleicht aber auch noch mal ein Versuch mit Grote, der zwischenzeitlich in der Versenkung verschwunden ist. Maric wird nach meiner Überzeugung wichtigster Spieler sein, nicht nur wegen seiner Ballsicherheit sondern wegen seiner Ausstrahlung. Er, Maltritz, Bönig und mit Abstrichen Freier und Holtby vermitteln die nötige Einsatzbereitschaft, Motivation und Verbundenheit mit dem Verein.

Es wird ein Spiel, das dadurch entschieden wird, bei welchem Team der Wille über die Angst siegt, der Charakter über die Gleichgültigkeit. Ich vertraue auf alte Bochumer Tugenden.

Mein Tipp: VfL Bochum - Hamburger SV 2:1

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