Mittwoch, 28. April 2010

Talfahrt im Bergischen

Jetzt ist es perfekt. Der Wuppertaler SV geht über die Wupper und steigt nach sieben Jahren Drittligazugehörigkeit in die Regionalliga West ab. Gerade mal 2.000 Zuschauer kamen zur gestrigen "Beerdigung" gegen Rot-Weiß Erfurt (0:3) und dokumentieren damit das tatsächliche Interesse am Fußball in Wuppertal, als letztes höherklassiges Überbleibsel im Bergischen Land. Die beiden anderen ehemaligen Zweitligisten Union Solingen und FC Remscheid sind nach Insolvenzen mittlerweile in der Verbandsliga Niederrhein (6. Liga) beim KFC Uerdingen, Jahn Hiesfeld und SV Hönnepel-Niedermörmter gelandet, Tendenz nach unten.

Man braucht kein Hellseher zu sein, um dem Wuppertaler SV zu prognostizieren, dass die Rückkehr in die 3. Liga in naher Zukunft auszuschliessen ist. Bereits in den letzten Jahren in der 3. Liga war es jedes Jahr eine Herkulesaufgabe, den notwendigen Etat zu stemmen und Sponsoren für den WSV zu begesitern. Auch die Kräftebündelung in Form einer Fusion mit dem SV Borussia Wuppertal 2004 brachte nur kurzfristig einen kleinen Effekt. Friedhelm Runge ist seit 1991 Präsident des Club, mit allen positiven und negativen Begleiterscheinungen. In letzter Zeit äußerte er sich immer häufiger zur Situation des WSV und stellte laut die berechtigte Frage, ob sich Wuppertal eine Fußballmannschaft im Profifußball leisten kann. Diese Frage ist nun auf dem Platz beantwortet worden. In der Regionalliga, in der es nur einen Aufsteiger gibt, wird sich der WSV mit den Zweitvertretungen von Schalke, Dortmund, Bochum, Leverkusen, Köln, Gladbach, Kaiserslautern, Düsseldorf und Mainz messen müssen. Dazu kommen die ewig ambitionierten Teams von RW Essen, Preußen Münster und Waldhof Mannheim. Hier rauszukommen ist unter den weiter begrenzten finanziellen Mitteln nahezu unmöglich. Wahrscheinlicher ist da schon der Durchmarsch in die NRW-Liga.

Das ehemals wohlhabende Bergische Land* ist mittlerweile zu einem ziemlich weißen Fleck auf Deutschlands Fußballkarte verkommen. Schade, aber dem Lauf der Zeit kommt man leider nicht alleine mit Tradition und Leidenschaft von Einzelkämpfern bei.

Dazu passt, dass in Solingen das Alt-Ehrwürdige Stadion am Hermann-Löns-Weg abgerissen werden und schicken Wohnungen weichen soll. Während woanders neue Stadien aus dem Boden sprießen gibt hier den (kontrollierten und ersatzlosen) Rückbau.

*Das Bergische Land hat seinen Namen nicht von seinen Bergen sondern den früheren Landesherren, den Grafen von Berg. Das Herzogtum Berg umfasste einmal Orte wie Elberfeld, Solingen, Lennep, Radevormwald, Wipperfürth, Bensberg, Siegburg und Blankenberg. Der Sitz der Grafen und Herzöge war lange Zeit die Burg an der Wupper (heute Ortsteil von Solingen). Zum historischen Territorium des Bergischen Landes gehörten damals auch Düsseldorf, Mülheim an der Ruhr, Duisburg, Oberhausen, das heutige Leverkusen und die rechtsrheinischen Gebiete von Köln.
Bild1: Pröppi, das Maskottchen des WSZ von www.wuppertalersv.de. Bild 2: Die Wupper

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