Sonntag, 30. Mai 2010

Bochumer Wiederstandsbewegungen auf allen Kanälen

Die Unzufriedenheit im Umfeld des VfL Bochum sucht sich verschiedene Kanäle, um zum Teil möglichst deutlich, zum Teil möglichst gewalt(ät)ig und zum geringen Teil sachlich und konstruktiv weitere Betroffene zu erreichen und vielleicht etwas zu ändern. 18:48 hat sich diese Kanäle einmal angeschaut:

Kanal 1: Der Schlagzeilen-Kanal
Beim letzten Heimspiel gegen Hannover blitzen gewalttätige Aktionen auf, die den Frust der Fans zeigen sollten. Natürlich eingefangen von den speziellen Medien bleibt diesen Aktionen aber nichts Positives nach. Vielmehr führen diese und die Pyro-Aktionen der Ultras, zu nicht unerheblichen Strafen Seitens des DFB und zur Gefährdung und Verärgerung der anderen VfL-Fans führen. Sie führen nicht zu einer Verbesserung der Situation sondern verhindern einen Schulterschluss der Anhängerschaft. Daher das Prädikat: Hirn- und Sinnlos.

Kanal 2: Der orginelle Kanal

Auch auf das Konto der Ultras gehen Aktionen beim Training des VfL, die der Mannschaft deutlich machen sollten, um was und wen es hier geht. Leider verstand die Mannschaft (in Gesamtheit) es nicht, diesen verzweifelten Liebesbeweis zurückzugeben. So dürften auch die vereinzelten "ERNST RAUS"-Plakate an Bochumer Brücken ebenfalls originelle Hingucker sein und das Thema im Bewusstsein halten. Prädikat: Einfallsreich.


Kanal 3: Der Foren-Kanal

Unfassbare Ergüsse geistigen Mülls ergießen sich derzeit im VfL-Forum von westline. Die Titel der Themen ("Weiteres Armutszeugnis für Ernst", "Sportvorstand oder wie immer man das nennen will", "Umfrage: Wer kommt noch weiter zum VfL", "Die wahre Zukunftsstrategie des VfL", "Schnäppchen für Ernst ;-)", "gewöhnt euch schon mal dran", Ernst muss weg",...) lassen erahnen, was drin steckt, aber es ist in Wirklichkeit noch viel schlimmer. Einzelne sehr aktive Personen, die quasi die potenzierte Antwort auf die Ossi-Motzkis sind, fällt nahezu stündlich was Neues ein, um Thomas Ernst, Werner Altegoer, Friedhelm Funkel oder gleich alle mit Gülle zu überschütten. Sie mögen zwar gelegentlich die Stammtischhoheit gewinnen, aber mehr auch nicht. Prädikat: Kinderspielzeug, geeignet im Alter von 6 bis 16 Jahren.


Kanal 4: Der Promi-Kanal

Zumindest zwei über die Fan-Szene und die Stadtgrenzen bekannte Bochumer Anhänger haben sich nach dem Abstieg öffentlich geäußert. Ben Redelings und Frank Goosen fordern in deutlichen Worten Veränderungen im Verein. Das ist sehr mutig. Leider fehlen jetzt noch die VfL-Fan-Promis drei bis elf, die mit ähnlichen Veröffentlichungen den Druck auf dem Kessel und die Diskussionen am kochen halten. Es ist zu hoffen, dass die beiden auch die weitere Entwicklung begleiten, sich weiter zu Wort melden und sich nach Möglichkeit einsetzen und ihre Bekanntheit und Kontakte nutzen, um konstruktiv positive Veränderungen zu erreichen. Prädikat: Unverzichtbar


Kanal 5: Der Sozialpädagogische 68er-Kanal

Der Im Februar 2009 gegründete Fan-Club "Klartext 1848" schreibt über sich: "Unser Ziel ist es offen und klar auf Missstände hinzuweisen, die sich in unseren Augen bei unserem VfL Bochum 1848 auftun." Also eine eher unklassische Fan-Club Motivation. Und so lesen sich die manifestierten Forderungen der Klartext-Truppe dann auch als eine recht willkürliche und teilweise unkonkrete Auflistung von selbstempfundenen Fehlern im System:

1. Erarbeitung eines Konzeptes zur Vorlage bei der nächsten JHV. Dieses Konzept soll folgende Punkte enthalten:
- Änderung der Satzung betreffend der Aufsichtsratswahlen.
- Forderung nach einem klaren Konzept für Jugendarbeite.
- Aufbau eines effektiven Scoutingsystems.
- Umstrukturierung der Presseabteilung und damit eine Verbesserung der Öffentlichkeitsarbeit.
- Verbesserung der Kommunikation mit den Fans.
- Erweiterung der Kompetenzen des Vorstandes.

2. Bildung einer Oppositionsbasis im Bereich der Mitglieder des VfL.

3. Aufbau von Druck auf den Aufsichtsrat, um möglichst schnell eine Alternative für den Vorstand Sport zu finden.

4. Aufbau eines Kreises von Kandidaten für den Aufsichtsrat.

5. Schaffung einer eigenen Identität VfL Bochum.

6. Offenlegung der Lizenzsierungsunterlagen DFB/DFL, denn es kann nicht sein, dass andere Vereine immer mehr Schulden aufbauen, ohne dabei Konsequenzen fürchten zu müssen, während uns angeblich völlig die Hände gebunden sind.


Im ihren Wake-up-Newslettern analysieren die Klartextler dann u.a. auch: "Es muss versucht werden finanzkräftigere Partner für den Verein zu gewinnen." und ganz erleuchtet "Der jetzige Aufsichtsrat verfügt über zu wenig sportliche Kompetenz. Bis auf Herrn Goldmann sollte da bei den nächsten Wahlen niemand mehr berücksichtigt werden." Das klingt alles nach UNI-Vollversammlung und 68-er Weltverbesserungsdiskussionsrunden. Es wird sich nicht auf das Wesentliche konzentriert und es steht zu befürchten, dass die Diskussionsrunde am 4. Juni auch nicht viel weiterführen wird. Prädikat: Gut, dass wir drüber gesprochen haben.

Kanal 6: Der Sammelkanal

Schon rund 200 Personen (u.a. Ben Redeling und Uwe Fellensieck) und Gruppen haben sich der Initiative "Wir sind VfL" angeschlossen und ein entsprechendes Manifest unterzeichnet:

Unsere Initiative vertritt fünf Punkte für einen neuen VfL:

1. Wir fordern alle VfL-Fans auf, Mitglied des Vereins zu werden (Download der Beitrittserklärung). Die Mitgliederversammlung muss ein breiteres Spektrum der Bochumer Anhängerschaft repräsentieren.

2. Wir wollen eine Öffnung und Demokratisierung der Vereinsstrukturen. Hierzu gehört unter anderem eine Satzungsänderung, die das auf Erhalt bestehender Strukturen angelegte Wahlverfahren aufbricht und die Einzelwahl der Aufsichtsratsmitglieder und seines Vorsitzenden ermöglicht. Wir fordern einen modern denkenden und für Innovationen aufgeschlossenen Aufsichtsrat.

3. Wir fordern den Aufsichtsrat auf, einen neuen Sportvorstand mit den genannten Kompetenzen und Befugnissen einzustellen, der ein klares Konzept für die sportliche Zukunft und zur Umsetzung des „Leitbilds“ erarbeitet.

4. Ein wesentlicher Teil dieses Konzepts muss ein Nachwuchsmodell sein, das dazu führt, dass der VfL in Zukunft mehr junge Talente aus den eigenen Reihen in seine erste Mannschaft integrieren kann.

5. Wir fordern eine offene VfL-Fankonferenz, auf der diese Konzepte vorgestellt und diskutiert werden.


Auch ich unterstütze die Initiative, auch wenn ich Punkt 3 der Forderungen für zu voreilig halte und gerade hier zuvor eine intensivere Befassung mit der Person, der Aufgabe und der Arbeit erwarte (Punkt 5?). Die Medien haben die Aktion ebenfalls wahrgenommen, was für einen Erfolg zweifellos notwendig ist. Bleibt zu hoffen, dass konstruktiv und weiter gearbeitet werden kann, vernünftige Diskussionsrunden und ggf. Arbeitsgruppen nächster Schritte vorbereitet werden und auch ein sachlicher Austausch mit der jetzigen Vereinsführung angestrebt wird. Prädikat: Vielversprechend. Wenn nicht so, wie dann?

Fortsetzung folgt

Kommentare:

  1. Als jemand, der diesem Fanclub angehört, muss ich zunächst mal anmerken, dass allein schon die Bezeichnung als sozialpädagogischer 68er-Kanal schlicht und ergreifend falsch ist, denn die 68er waren alles, nur nicht sozialpädagogisch orientiert. Ansonsten sehe ich in diesem eher subjektiv ausgerichteten Bewertungsblog einen Versuch nach dem Motto „Mama da will mir einer meine Förmchen wegnehmen“, denn es gibt zu dem so genannten Sammelkanal eine Menge Übereinstimmungen, über die man reden sollte, um die Kräfte zu bündeln. Leider hat der Sammelkanal bisher alle Gesprächsversuche abgeblockt. Mit einer objektiven Betrachtung hat dieser Blog recht wenig zu tun, denn wenn es dem Autor tatsächlich darum gehen würde positive Veränderungen beim VfL herbei zuführen, hätte er sich vielleicht mal die Mühe gemacht, die angesprochenen Punkte neben einander zu stellen und zu vergleichen.
    Da der Autor des Blogs sich hier auf die 68er bezieht möchte ich meinen Kommentar mal mit einem Zitat von Rudi Dutschke beenden. Dieser sagte damals Sinn gemäß
    „ Veränderungen sind kein Prozess von Tagen, sondern ein lang andauernder. Auf dem Weg zum Ziel sind die Kräfte zu bündeln“.

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  2. Ehrlich gesagt finde ich die genannten Punkte von "Klartext 1848" alles andere als klar(text). Eher Wischiwaschi. Ist mir zu unkonkret... kann ich mir nichts drunter vorstellen.

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  3. Insbesondere der Sportvorstand muss sich am sportlichen Erfolg und der sportlichen Entwicklung messen lassen. Und dabei spielt nicht nur der GAU in Form des Abstiegs eine Rolle, sondern auch die Transferpolitik und die Stagnation bei der Entwicklung einer Spielphilosophie. Da fällt die Bilanz (leider) negativ aus.
    Ein Austausch mit dem Verein wäre sicherlich wünschenswert, aber offenbar verfolgt der Verein im Umgang mit den "Wiederstandsbewegungen" derzeit eine andere Strategie als den Dialog.
    Zu den angeblich geblockten Gesprächsversuchen: Kommunikation findet nicht nur in Foren und/oder Blogs statt und ist daher nicht immer öffentlich.

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