Mittwoch, 19. Mai 2010

Der große Schiffbruch: Hellas Rostock

Das etwas gut oder schlecht für die Region sei, ist eine der Floskeln, die ich bezogen auf den Fußball nicht so gerne höre und normalerweise nie benutze. Aber im Falle von Hansa Rostock darf man das Geschehen tatsächlich so titulieren. Der Abstieg des F.C. Hansa aus der 2. Bundesliga ist der vorläufige Höhepunkt einer Irrfahrt und wahrscheinlich die Havarie einer Kogge, die über viele Jahre ein Leuchtturm in einer strukturell gebeutelten Region war. Hansa Rostock hatte sich nach der Wende zu einem sympathischen und erfolgreichen ostdeutschen Fußballverein gemausert. Was jetzt bleibt sind Existenz bedrohende Schulden, gefürchtete "Fans", verunsicherte Sponsoren und eine erstklassige Jugendarbeit, die in dieser Form wohl eingestellt werden muss.

Die A-Junioren des F.C. Hansa streben wieder den Meistertitel in der Bundesliga an. Immerhin duellieren sie sich regelmäßig mit Hertha BSC, dem Hamburger SV, Werder Bremen und dem VfB Wolfsburg. Vereine, die finanziell einer anderen Liga angehören und auch ein viel größeres Umfeld haben, aus dem sie Nachwuchskräfte rekrutieren, als die 200.000-Einwohner-Hansestadt. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es gerade einmal rund 30.000 Jungen im Alter von 10 bis 15 Jahren. Gleichwohl hat Hansa und die verbundenen Stützpunkte in Schwerin, Neubrandenburg und Greifswald auch nach der Wende immer wieder gute Spieler hervorgebracht: Carsten Jancker, Tim Borowski und Toni Kroos seinen beispielhaft erwähnt. Auch andere Spieler haben bei Hansa einen gehörigen Karriereschub erfahren dürfen: Oliver Neuville, Rene Schneider, Victor Agali, Sergej Barbarez, Marco Rehmer und andere.

Neun Millionen Euro Schulden sollen auf dem Club liegen. Unmöglich, diese aus dem normalen Geschäftsbetrieb in diesem Jahrzehnt zu begleichen. Der Saisonetat für Liga drei soll sich auf 7,5 Mio. Euro halbieren. Eine Überschuldung griechischer Ausmaße. Zwar hat der Innenminister des Landes, Lorenz Caffier, angekündigt, dass sich Mecklenburg-Vorpommern auch über die bereits bestehende Bürgschaft von 1,8 Mio. Euro engagieren könnte. Diese Intervention a la Kaiserslautern dürfte aber wenig Gegenliebe in den Bundesländern finden, die Mecklenburg-Vorpommern über den Länderfinanzausgleich am leben halten.

Dass die Führungsstrukturen des F.C. Hansa eine große Mitschuld an der Entwicklung haben, dem wird nicht widersprochen. Allerdings bleibt die Frage unbeantwortet, ob der Club einen anderen Weg hätte gehen können, oder ob die Erfolgsgeschichte auch gerade mit dieser ostaligischen Struktur zusammenhängt. Der schönste Präsident den jemals ein Bundesligaverein hatte, Peter-Michael Diestel, ehemaliger Innenminister der DDR, gehört zu dieser Geschichte ebenso wie Prof. Horst Klinkmann und der CDU-Landespolitiker und jetzige MdB Eckhardt Rehberg. Was danach, in einer bereits schwierigen Zeit, kam ist gescheitert. Zwar hatten die verantwortlichen eine hohe Identifikation zum Verein, jedoch konnten keine nachhaltigen wirtschaftlichen und sportlichen Erfolge mehr erzielt werden.

Die DKB wird auch in der 3. Liga weiterhin Namensgeber des Stadions bleiben. Auch Haupt- und Trikotsponsor Veolia sowie Windstärke 11 bleiben an Bord. Darüber hinaus müssen aber zahlreiche Sponsorenverträge neu verhandelt werden und dies dürfte für viele Sponsoren eine gute Gelegenheit sein, ihr Engagement zurück zu schrauben.

Ein Funken Hoffnung kommt aus Westfalen. Sollte Arminia Bielefeld keine Lizenz für die 2. Liga erhalten (und darauf deutet einiges hin, nachdem auch die Stadt eine 6 Mio. Euro Spritze abgelehnt hat), würde Hansa die Klasse halten. Ob dann die Zuschauer und die Sponsoren dem Verein, der dann zweifellos als krasser Außenseiter in die Saison starten würde, treu bleiben werden, ist eine spannende Frage.

Nicht dass ich traurig bin, dass der VfL Bochum in der kommenden Saison nicht gegen Hansa spielen muss. Die Bilanz des VfL gegen die Rostocker ist durchaus mies. Die letzten vier Bundesliga-Duelle gewann Hansa allesamt, Bochum nur eines der letzten 15 BL-Spiele. (Die Zweitligabilanz spricht mit 3 Siegen und 1 Niederlage hingegen für Bochum). Allerdings hätte ich mich auf das Auswärtsspiel in so Fern gefreut, als dass ich meine zwischenzeitliche Heimat und viele Fußballfreunde wieder hätte besuchen können. Nicht selten war ich im Ostseestadion und hatte durch meine Arbeit beim FC Eintracht Schwerin die Gelegenheit, viele der Hansa-Verantwortlichen kennen zu lernen.

Ich drücke den Verein für die Zukunft die Daumen. Es wäre wichtig für die Region!

Siehe auch: http://www.blog-8.de

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