Freitag, 14. Mai 2010

Lizenzlümmelei

Die Saison neigt sich auch in den unteren Ligen dem Ende entgegen und dies vemehrt naturgemäß wieder die Meldungen über Vereine, die enorme finanzielle Schwierigkeiten haben und deren Lizenz für die kommende Saison gefährdet ist, bzw. die Insolvenz anmelden müssen, oder müssten.

In den drei oberen Ligen ist das Lizenzverfahren für einige Vereine noch nicht abgeschlossen, denn sie haben noch Auflagen zu erfüllen oder müssen ihre Unterlagen nachbessern. Deutlich geworden sind die enormen Schwierigkeiten (neben Sonderfall Schalke) besonders in Bielefeld, Aachen und Duisburg. Alle drei haben gemeinsam, dass die Kosten für die tollen neuen Stadien aus dem Ruder gelaufen sind. Gleiches galt ja auch für 1860 München und Kaiserslautern, aber über diese beiden Clubs muss bei anderer Gelegenheit gesprochen werden. Im Normalfall springt die öffentliche Hand, also die entsprechende Kommune, mit ein paar Millionen Euro ein. Die hat zwar auch kein Geld, aber die Politik darf den Fußball nicht sterben lassen. Was soll denn sonst der Wähler denken? In wie weit sich andere Vereine (z.B. Rostock) auf der sicheren Seite wähnen dürfen, bleibt erst Mal offfen.

Weiter darunter wird es zunehmend unübersichtlicher. Carl Zeiss Jena muss 1,5 Mio. Euro zur Absicherung der Saison nachweisen, sonst gibt es keine Lizent. Ob der Wuppertaler SV direkt von der dritten in die fünfte Liga springt, werden wir in Kürze hören. Einiges spricht dafür, so fällt durch das Verpassen der Qualifikation für den DFB-Pokal ein wichtiger Etat-Posten weg. Den dürfte Pokal-Halbfinal-Gegner Rot-Weiss-Essen fast sicher haben. Im Finale geht es gegen Lokalrivalen Schwarz-Weiß, da ist ein Sieg auch sportlich Pflicht. Ob damit die Gesamtsituation, die durch Äußerungen des Oberbürgermeisters deutlich beschrieben und schlecht bewertet wurden, gerettet werden kann, ist mehr als fraglich. 2 Mio. Euro sollen fehlen.

Im Süden haben der SSV Reutlingen und Eintracht Bamberg bereits Insolvenz angemeldet. Letzterem Team half auch nicht die noch bestehende Chance auf die DFB-Pokal-Qualifikation. Man hatte schlichtweg mit zu vielen Zuschauern in der Saison kalkuliert. 1.400 pro Spiel. 1.000 mehr als tatsächlich kamen. Nutznießer der Insolvenzen und der damit ausgehebelten sportlichen Abstiegsfrage ist u.a. Darmstadt 98. Müßig zu erwähnen, dass auch die Lilien Auflagen zu erfüllen haben. Vereine wie Eintracht Trier oder Wormatia Worms werden jedes Jahr immer sorgenvoll betrachtet und müssen diesmal zudem auch sportlich den Gang nach unten gehen. Waldhof Mannheim und auch Aufsteiger 1.FC Saarbrücken sind und bleiben wohl ewige potentielle Pleite-Kandidaten, wobei die Saarländer mit ihren Durchmarsch von Liga 5 in Liga 3 derzeit auf einer Euphorie-Welle daherkommen.

Im Norden hatte Kickers Emden ja einen fulminaten Rückzug hingelegt. Der VfB Lübeck lebt derzeit wieder, keiner weiss wie lange. Der Goslarer SC schließt die Regionalligasaison als Letzter ab. Immerhin wurde die Saison überstanden. Fast alle Heimspiele mussten in Braunschweig gespielt werden, das eigene Stadion wurde Ligagerecht umgebaut, um die Auflagen zu erfüllen. Auf den Nebenplatz der Braunschweiger Eintracht verirrten sich meist nur 200 Zuschauer zu den Spielen der Goslarer gegen Meuselwitz oder Oberneuland. Beim ersten richtigen Spiel in Goslar (gegen Türyiemspor) waren es dann 800. In den folgenden wollten den Absteiger dann nur noch 700, 600, 300 und 200 sehen. Wie so ein Modell wirtschaftlich funktionieren soll ist mir schleierhaft.

Im Westen gibt's auch nichts Neues. Die Lizenz für Regionalligisten Bonner SC scheint in weite Ferne gerückt zu sein. Trotz rund 1.000 Zuschauer pro Spiel und einem respektablen Mittelfeldplatz. Vor zehn Jahren trat das Team quasi mit der kompletten kubanischen Nationalmannschaft an und stieg prompt ab. Wer soll sich damit identifizieren? Den Kracher in diesem Jahr schießt aber eindeutig der KFC Uerdingen ab. Die haben sich einen Griechen (!) als Präsidenten installiert. Der rührte kräftig die Trommel, flog Ailton ein und stellte ihm ein paar höherklassige Spieler bei Seite um den Durchmarsch in den Profifußball zu schaffen. Leider standen aber bereits in der 6. Liga so namhafte Teams wie TuRu Düsseldorf, VfB Homberg und Ratingen 04/19 im Wege. Dass nebenbei noch über seltsame Imobiliendeals, unbezahlte Ailton-Flüge und Hotelrechnungen gemunkelt wird, ist fast schon normal. Das Ende überrascht keinen. Das Ailton-Trikot kann im Fan-Shop aber noch geordert werden. Nicht ganz so spektakulär der erneute Niedergang von Union Solingen, wo sich wieder mal der Vorstand davongemacht hat.
Stetiger Gefahr sehen sich auch Westfalia Herne und die SG Wattenscheid 09 ausgesetzt. Die Achterbahnfahrt von kurzfritigem Geldgeber und drohender Insolvenz wird weitergehen. Unmöglich, dabei sportliche Erfolge zu erzielen.

Fußball-Deutschland wird in Bewegung bleiben. Denn es ist nicht zu erwarten, dass Größenwahn, Unseriosität, Maßlosigkeit und fanatische Verblendung aussterben werden.

1 Kommentar:

  1. Eine schöne Zusammenstellung, die zum Nachdenken anregt. Allerdings gibt es für den MSV Duisburg da etwas zu korrigieren. Die finanziellen Schwierigkeiten in Duisburg haben andere Gründe als den Stadionbau, insofern sind Aachen und Bielefeld anders gelagerte Fälle. Außer du bringst die längere Erstliga-Abwesenheit in Zusammenhang mit der Stadionmiete, die für die Refinanzierung von den Investoren angesetzt war. Die ist in der zweiten Liga auf längere Sicht nicht einfach zu erwirtschaften.
    Viel mehr zeigt sich beim MSV aber das Problem aller zwischen erster und zweiter Liga pendelnden Vereine. Die Einnahmen in der ersten Liga sind gegenüber der zweiten Liga sehr viel höher, so steigt das Verlustrisiko wenn der Etat hoch gehalten wird, um den schnellen Wiederaufstieg zu schaffen. Gelingt der dann nicht, wird die Finanzlage bedrohlich. Es sind beim MSV Duisburg also vor allem strukturelle Gründe, die durch das Agieren der Vereinsverantwortlichen verstärkt wurden. In Aachen und Bielefeld aber wirkt sich der Stadionbau direkt aus.

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