Samstag, 22. Mai 2010

Ungewohnte Offenheit beim VfL

Im Moment bläst Thomas Ernst der Wind mächtig ins Gesicht. Die Gründe des Abstiegs des VfL werden ihm vielfach in die Schuhe geschoben. Er wird an seinem Vorgänger Stefan Kuntz gemessen, in den viel Hoffnung gesteckt wurde und dessen Fortgang noch heute geradezu mythisch betrauert wird. Die Entscheidung zunächst an Marcel Koller festzuhalten, die Auswahl von Heiko Herrlich und nicht zuletzt die Kaderzusammenstellung belegen in den einschlägigen Kommentaren die Untauglichkeit des ehemaligen Torwarts. Im Gespann mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Werner Altegoer wird Ernst zum Teufel gewünscht, um so einen Neuanfang beim VfL zu ermöglichen. - So einfach ist die Fußballwelt.

Nun scheint Thomas Ernst die Lage erkannt zu haben und geht verstärkt in die Medienoffensive. In einem ungewohnt offenen Interview mit Vorstandskollegen Ansgar Schwenken und dem jahrelangen VfL-Kenner und Journalisten Günther Pohl, gerne auch als Hofberichterstatter des VfL (Radio Bochum, Reviersport, WAZ) verschrien, erläutert er einige Sachverhalte und sammelt dadurch Punkte.

Ebenfalls bekannt wurden Details der Verträge von Bochumer Spielern. Und hier scheinen die Verantwortlichen bisweilen sehr klug vorgegangen zu sein:
Christian Fuchs, der sich ja schon in der englischem Liga gesehen hat, darf bis zum 31. Mai gehen, wenn er einen Verein findet, der 2 Mio. Ablösesumme zahlt.
Für Mimoun Azaouagh gilt der gleiche Termin und die Hälfte der Ablösesumme.
Stanislav Sestak, Anthar Yahia und Zlatko Dedic haben überhaupt keine Ausstiegsklauseln. Der VfL kann sich also relativ bequem Zurücklehen und der Dinge harren, die da kommen. Die WM mag dabei noch ein Preistreiber sein, sollten die Spieler sich dort (entgegen ihrer Leistung in der Bundesliga) noch beliebt machen.

Zudem bildet sich ein Kern an Spielern heraus, die ein sportliches und charakterliches Grundgerüst für die Aufstiegssaison bilden können: Maltritz, Dabrowski, Freier, Bönig, Maric und Heerwagen. Auch wenn sie teilweise ihre Bundesligatauglichkeit nicht mehr beweisen konnten, sollten sie in der zweiten Liga eine gute Rolle spielen können. Sie passen nach meiner Einschätzung gut zu Friedhelm Funkel.

Doch zurück zu Thomas Ernst. Die Trainerfrage hat er gut gelöst, jetzt hat er noch die Aufgabe zu meistern, den Kader zu formen. Sollten durch ein paar Abgänge (siehe oben) Transfererlöse erzielt werden, die teilweise in den Kader gesteckt werden können, dann kann eine gute Mannschaft mit Perspektive aufgestellt werden. Vielleicht erarbeitet Thomas Ernst sich damit eine zweite Chance beim VfL. Die hat er nach meiner Meinung auch verdient, denn die Geradlinigkeit bei den letzten Verhandlungen, wo Gespräche mit Spielern abgebrochen wurden, weil plötzlich neue Forderungen aufgemacht wurden, ist richtig. Und auch die letzten Verpflichtungen von Maric, Holtby und Dedic waren grundsätzlich gut.

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