Mittwoch, 9. Juni 2010

Fußball-WM und Politik

Auch wenn es nur wenige offen zugeben wollen oder dürfen: Die Fußball-WM 2010 nach Südafrika zu vergeben war ein Fehler. Das Ansinnen, den Kontinent aufzuwerten und seine unbestrittenen Fortschritte im Fußball anzuerkennen, in allen Ehren, aber Afrika (in seiner Gesamtheit; wahrscheinlich der Süden mehr als der Norden) ist noch nicht bereit für ein Ereignis dieser Art und der Schaden für alle wird wahrscheinlich größer sein als der gewünschte Nutzen.

Trotz allerhöchster Sicherheitsvorkehrungen, im südafrikanischen Maßstab wohlgemerkt, gibt es kein Sicherheitsgefühl bei Einheimischen und Gästen. Vor allem die Zuschauer aus aller Welt, die man gerne ins Land einlädt, damit Sie später für Südafrika werben, leben potentiell gefährlich, sobald sie sich außerhalb der Hochsicherheitstrakte Stadion und Hotelanlage bewegen. Unbeschwert die Schönheiten des Landes zwischen den Ozeanen und den Spielen zu erkunden ist nahezu unmöglich. Dabei geht es nicht um den üblichen Taschendiebstahl, der uns auch in Rom oder Köln ereilen kann. Vielmehr droht hier eine Art Großwildjagd von Kriminellen und Skrupellosen auf naive, euphorisierte und alkoholisierte Touristen.

Manch eine Experte befürchtet zudem Terroranschläge von islamischen Extremisten. Das weltmedienereignis Nummer 1 ist natürlich ein willkommener Anlass, um ganz groß rauszukommen. Bei den letzten olympischen Spielen hatte die Staatsmacht alles im Griff. Die WM in Deutschland war vielleicht zu früh oder zu gut organisiert, um einen Anschlag zu versuchen. Aber Südafrika mit seinen vielfältigen Problem und seiner nicht ausgereiften Sicherheitsstruktur bietet viele Möglichkeiten. Angefangen bei der Einreise bis hin zum Unterschlupf. Wahrscheinlich werden alle Geheimdienste diese Gefahr im Auge haben und es bleibt zu hoffen, dass es im Zusammenspiel der Kräfte und mit Glück kein Gelingen gibt.

Darüber hinaus können vielfältige globale Probleme im Schatten der WM neue Impulse bekommen. Beispiel Nordkorea. Deren Kicker könnten im Falle eines schlechten Abschneidens von der heimischen Presse als Opfer von ausländischen Geheimdiensten dargestellt werden. Die Schlagzeilen in nordkoreanischen Medien können wir uns wohl gar nicht so aberwitzig vorstellen, wie sie sein werden. Im Schatten der WM kann die Kriegsgefahr in der Region ebenso explodieren, wie Spannungen in Südamerika oder um Israel. Auch in Europa kann die WM punktuell als Brandbeschleuniger wirken. Public Viewing oder Feiern auf den Straßen können in Zeiten von Staatspleiten, Eurokrise und gravierenden Sparmaßnahmen schnell umkippen.

Fußball ist halt mehr als nur ein Sport....

1 Kommentar:

  1. Ach Gott, Fußball als Kriegsgrund - hat es zwar mal gegeben, aber das ist mir doch zu schwarzseherisch. Vielleicht werden wir uns noch über die Südafrikaner wundern - und zwar im positiven Sinne. Ich freu mich jedenfalls auf die WM.

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