Freitag, 6. August 2010

Vom Kampf gegen die Fans über den Kampf mit den Fans zum Kampf um die Fans

(Bild: www.vfl -bochum.de)
Rund eine Woche vor dem ersten Pflichtspiel (Pokal in Offenbach, 15.8., 17:30 h) ist die Trauer und Verärgerung in Bochum wegen des überflüssigen Abstiegs, des desaströsen Auftretens der Mannschaft in den letzten Saisonspielen, der erfolglosen Personalpolitik und der unglücklichen Kommunikation auf Vereinsseite nur teilweise verflogen. Zwar konnte mit Friedhelm Funkel ein respektierter Trainer gewonnen werden, zwar gelangen dem VfL einige augenscheinlich gute Neuverpflichtungen, zwar steigerten sich die Ergebnisse und Leistungen in den Testspielen kontinuierlich, aber der Funken springt noch nicht über. Dazu bedarf es wohl eines guten Saisonstartes und einer couragierten Leistung der Mannschaft.
Zu frisch sind noch die Bilder aufgebrachter Fans vor der Geschäftsstelle, beim Training oder nach dem Abstiegsfinale gegen Hannover. Das Verhältnis zwischen den Anhängern und der Vereinsführung war am Nullpunkt angelangt. Zu lange wurde nach Meinung vieler am Marcel Koller festgehalten, der zwar mit dem VfL jedes Mal den Klassenerhalt schaffte, aber das betont sachliche und emotionslose Spiel entfremdete die Anhänger von der Mannschaft. Die Übergangszeit von Frank Heinemann brachte kaum Veränderungen. Mit Heiko Herrlich wurde anschließend ein Trainer verpflichtet, der zweifellos anders war. Nach einer Erfolgsserie kam dann aber der komplette Einbruch. Eine Mannschaft spielte gegen den Trainer und letztendlich gegen den Verein und gegen die Fans.

Wie sollen diese nun zurückgewonnen werden? Einige Spieler, die sich quasi selbst aussortiert hatten, sind weg. Andere sind geblieben und spielen nun unter verschärfter Beobachtung: Maltritz, Mavraj, Pfertzel, Concha, Freier, Prokoph, Grote, Dabrowski - Jede Woche vor tausenden kritischen Bewährungshelfern. Es wird spannend zu beobachten sein, wer von diesen sich wieder Sympathien und Anerkennung erarbeiten kann.

(Bild von: http://twitter.com/derblauekanal)
Auch an der Vereinsspitze ist man vorsichtig und einfühlsamer geworden. Tief sitzen die massiven Beschimpfungen und Forderungen. "Altegoer und Ernst raus!" ist dabei die harmlose Kurzform von Volkes Wille. Zumindest von dem Volk, dass sich besonders laut und medienfreundlich artikuliert. Die in Fan-Initiativen (18:48 berichtete) aufgestellten Forderungen und Wünsche wurden anscheinend aufgenommen. Der Verein bemüht sich intensiv und wohl auch aufrichtig, die Kommunikationsdefizite abzubauen, Vertrauen und Fans zurück zu gewinnen. Das dürfte nicht leicht fallen und letztendlich zählen nur Ergebnisse.

Für die kommende Saison hat der VfL bisher 4.000 Dauerkarten abgesetzt. Das ist Zweitligamittelmaß und entspricht der Zahl aus der letzten Zweitligasaison. Die Zurückhaltung der Fans ist trotz Wiederaufstiegszertifikat verständlich. Zudem dürften die ungewissen und für viele unglücklichen Anstoßzeiten abstoßend wirkend. Außerdem wird keiner in der kommenden Saison Sorge haben müssen, fünf Minuten vor Anpfiff keine Karte für den gewünschten Block mehr bekommen zu können. Wegmarken dürften das dritte und fünfte Heimspiel gegen Bielefeld bzw. Aachen sein. Hier könnten mal wieder 20.000 den Weg an die Castroper Straße finden.

Eine Konsequenz der fortlaufenden Fan-Randale ist, dass der VfL sein Zweitligaauftaktspiel gegen 1860 München mit einer leeren Ostkurve bestreiten muss. Den Dauerkarteninhabern wird ein Platz auf der Westtribüne angeboten. Hoffentlich mit genügend Abstand zum Gästeblock. Die Voraussetzungen für den Start sind daher ziemlich schlecht. Es dürften sich kaum mehr als 8.000 Zuschauer auf den montagabendlichen Weg ins Stadion machen. Und wir sollten überhaupt nicht darüber nachdenken, wie sich die nächsten Heimspiele (u.a. gegen Augsburg und Fürth) gestalten, wenn der Start daneben geht...

Ich persönlich blicke jetzt nach vorne. Ich sehe, dass der Verein sich verändert will und derzeit gut arbeitet. Es darf auch nicht vergessen werden, dass der VfL trotz aller Widrigkeiten nicht verschuldet ist. Ich freue mich auf den Saisonstart und bin gespannt auf die Neuen (vor allem Tese und den Charakter der Mannschaft.

An langjährigen Beziehungen ist ja besonders schön,
wenn man sich nach einem Streit wieder so richtig verträgt...


Wahre Liebe kann hier bezeugt werden.

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