Donnerstag, 30. September 2010

Bringt ein dreiblättriges Kleeblatt Glück?

Vielleicht haben die Bochumer am Montag schon ihre Portion Glück für diese Woche aufgebraucht. Das Unvermögen und Pech der Düsseldorfer bescherte uns das erste "zu-Null-Spiel" in der Saison und drei Auswärtspunkte. Zudem wurde der Tritt von Tese nachträglich nicht Gegenstand eines Verfahrens beim DFB. Somit steht der scheinbar unverzichtbare Stürmer am Samstag gegen Fürth zur Verfügung.

Der VfL muss gleichwohl anders Auftreten als bisher. Vom Einsatz her ist der Mannschaft derzeit kein Vorwurf zu machen, jedoch fehlt es an spielerischer Präzision. Die meisten Spieler haben noch gehöriges Potential nach oben und müssen definitiv mehr bringen, damit der VfL auch gegen Teams aus der oberen Hälfte der Liga bestehen kann. Greuther Fürth gehört zweifellos zu diesen Teams. Fürth liegt momentan mit 13 Punkten auf Platz 3. Neben dem Pokalsieg in Braunschweig (2:1 n.V.) gab es auswärts einen 2:1 Sieg bei Union Berlin und eine 2:0 Niederlage in Cottbus. 10 Punkte sammelten die Franken zu Hause mit einem 1:1 gegen Aachen sowie Siegen gegen Karlsruhe (4:1), Frankfurt (1:0) und Ingolstadt (1:0). Eine Bilanz die man unterschiedlich interpretieren kann. Bereits sieben verschiedene Spieler haben für die Fürther getroffen, darunter vier Stürmer. Jeweils zwei Mal trafen die Mittelfeldspieler Müller und Nehrig. Das zeugt von einem ausgeglichenen und schwer zu berechnenden Kader. Hingegen ist beim VfL vieles auf Tese zugeschnitten, der oftmals mit einfallslosen lagen Bällen bedient werden soll. Viel wird daher darauf ankommen, ob Spieler wie Freier, Federico (sofern er noch eine Chance bekommt), Dedic, Saglik oder Prokoph für Unruhe sorgen, Gegenspieler binden und Torgefahr ausstrahlen können. Ich denke, dass Dedic oder Saglik neben Tese stürmen wird.

Die Bochumer Abwehr zeigte sich zuletzt ein Stück weit verbessert und dürfte unverändert bleiben, wobei Concha doch einige läuferische Schwächen erkennen lies und Wackelkandidat bleibt. Dabrowski ist gesetzt. Um Maric mache ich mir Sorgen, da er zu viele Bälle verliert. Vielleicht wäre Johansson eine Versuchung wert. Freier und Tese sind gesetzt, um die anderen beiden Plätze werden sich Dedic und Saglik mit Federico, Toski und Prokoph streiten. Ausgang offen.

Die Bochumer Bilanz gegen Fürth ist dünn. Nach zwei Pokalsiegen (1979 und 1992) standen sich die beiden Mannschaften in drei Zweitligaspielzeiten gegenüber. Das erste Treffen verlor der VfL zu Hause 1999 mit 1:2. Dann folgten 3 Remis, ein 3:1 Sieg in Fürth (2005, 2x Edu) und ein weiteres Remis. Der erste Bochumer Liga-Heimsieg lässt also auf sich warten... - Der wäre am Samstag wichtig, um zur Spitzengruppe aufzuschließen und die Fans wieder zurück zu gewinnen, zumal am Montag die Jahreshauptversammlung vor der Tür steht.

Mein Tipp: VfL Bochum - SpVgg Greuther Fürth 2:1
(weil erstmals mein 4-jähriger Sohn mit dabei ist)

Montag, 27. September 2010

3 Punkte erkrämpft

Mit 1:0 gewinnt der VfL Bochum in Düsseldorf und hat nun leichte Tuchfühlung zu den Ligaregionen, wo man gerne hin möchte. Das Spiel in Düsseldorf war der erwartete Fight, in dem Bochum zwar nicht die aktivere und auch nicht die bessere Mannschaft war, aber letztendlich den Sieg nach Hause brachte und auch Chancen hatte, das Ergebnis auszubauen. Eindrucksvoll stemmte sich das Team gegen die verzweifelten Versuche der Fortunen, die sechste Saisonniederlage zu verhindern. Bemerkenswert das Publikum, dass die Rot-Weißen bis nach dem Schlusspfiff unterstützte und dem aufopferungsvollen, aber von Unvermögen geprägten und vergeblichen, Versuchen ein Tor zu erzielen Tribut zollte. Beim VfL stimmten die mannschaftliche Geschlossenheit und der Wille. Tugenden, die man schon vermisste. Ein Lob verdiente sich Torwart Luthe, der heute fehlerlos spielte und auch Sicherheit ausstrahlte. Ein Extra-Lob verdiente sich Mavraj, der rigoros alles wegputzte und wichtige Signale an die Mitspieler sendete. Dabrowski mit einer guten Leistung im Mittelfeld und Tese über 93 Minuten brandgefährlich, wenn auch heute im Abschluss nicht ganz so glücklich. Mit einem Aussetzer, der ihm auch eine Rote Karte hätte einbringen können. Federico blieb abermals blass und erschien ebenso wenig spritzig wie Concha. Maric mit den gewohnten Ballverlusten und einem katastrophalen Timing bei Kopfballduellen. - Nach diesem Kampf und Krampf bleiben ein paar Tage um spielerische Elemente zu verbessern, die heute auf der Strecke geblieben sind, die aber am Samstag gegen Fürth von Nöten sein werden, um zur Spitzengruppe aufzuschließen. Die Fortuna hat heute Sympathiepunkte gewonnen und wird ihre Ligapunkte noch holen, wahrscheinlich schon beim nächsten Heimspiel gegen Augsburg.
(Bild: www.vfl-bochum.de)

Vorboten des Winters

Die Düsseldorfer Fortunen haben derzeit die rote Laterne in der Hand und liegen ohne Punktgewinn am Tabellenende. Nach dem vorzüglichen 4. Platz in der Vorsaison und der brillanten Heimbilanz (13 Siege, 4 Remis) hatten sich die Landeshauptstädter weitaus mehr erwartet und erhofft. Zumal mit 12.500 ein neuer Dauerkartenrekord erreicht wurde. Kein Wunder also, dass im Fanshop bereits Vorkehrungen für einen kalten und ungemütlichen Winter getroffen werden (Bild: www.f95.de).

Diese Saison setzte es zwei knappe 1:2 Heimniederlagen gegen Hertha BSC und 1860 sowie drei torlose Niederlagen in Cottbus, Frankfurt und Ingolstadt. Fortuna ist, ähnlich wie Bochum am letzten Spieltag, zum Siegen verdammt, um nicht bereits mit einem Rückstand von 13 Punkte auf Rang 3 somit eine Saison (maximal im Mittelmaß) vor sich zu haben. Der VfL darf sich hingegen auch keinen weiteren Auswärtsaussetzer leisten , kann mit einem Sieg auf Rang 9 vorstoßen und damit Tuchfühlung nach oben herstellen.

Für Trainer Funkel dürfte es nach dem Bielefeld-Sieg wenige Gründe für Veränderungen geben. Luthe im Tor, Concha, Mavraj, Yahia und Kopplin in der Abwehr. Dabrowski ist gesetzt und Maric dürfte ebenso wie Federico eine weitere Chance bekommen. Freier und Tese sind ebenfalls gesetzt. Wer den weiteren Offensivplatz einnimmt ist allerdings wohl offen, da weder Dedic noch Saglik oder Prokoph bisher auch nur ansatzweise überzeugen konnten. Vielleicht bekommt sogar Grote eine Chance.

Die Bilanz des VfL gegen Düsseldorf ich gut. Von den 45 Spielen wurden 18 gewonnen und nur 11 verloren. Im Rheinstadion gab es 7 Fortuna-Siege, 10 Unentschieden und 6 VfL-Siege. Der letzte im letzten Duell 2004, wo der VfL in der 1. Pokal-Runde 3:1 gewann. Die letzten Bundesligaduelle gab es 2006/2007 mit einen 2:2 in Düsseldorf (Doppelpack Közle) und einem 3:1 in Bochum.

Uns erwartet ein spannendes Spiel, bei dem es auf Kampf und spielerische Qualität ankommen wird.

Mein Tipp: Fortuna Düsseldorf -VfL Bochum 2:2

Donnerstag, 23. September 2010

Befreierung

Meist hagelte es Kritik an ihm. Schwache Spiele, schwacher Abschluß, Ersatzbank. Slavo Freier ist, egal unter welchem Trainer, immer wieder zurück gekommen. Seine Einsatzbereitschaft, nicht nur bei den Spielen sondern auch im Training, seine Bescheidenheit und Selbstkritik machen ihn zu einem Sonderling im Geschäft. Wo andere hergehen und den Trainer, die Mannschaftskollegen, die Zuschauer als Grund heranziehen oder einfach lustlos über den Platz schleichen und nach einem neuen Verein ausschau halten (lassen), da arbeitet Slavo Freier an sich. Ob mit Turban oder Pferdekuss, Freier versteckt sich nicht bei schwierigen Situationen sondern bleibt bis zum Ende an Bord. In den letzten Spielen wurde er als Vorbild in einer schwachen Mannschaft herausgestellt.- Beim gestrigen Spiel gegen Bielefeld signailisierte er quasi noch beim Aufwärmen, was die Parole des Tages ist: Kämpfen! Gelbe Karte in der 4. Minute. In der 19. Minute markierte er mit einer schönen Aktion die 1:0 Führung, in der 40. Minute servierte er zum 2:1. - Keinem gönne ich den Erfolg mehr als Slavo Freier. Für mich eine der wenigen Identifikationsfiguren beim VfL Bochum 2009/2010 bzw. 2010/2011. Ich hoffe, ihm gelingt es, die Mannschaft mitzureißen und wieder auf Kurs zu bringen!


Dienstag, 21. September 2010

Aufstehen!

Während man auf Schalke von einer totalen Verunsicherung der Mannschaft als Entschuldigung für die Talfahrt spricht, mahnt Friedhelm Funkel an, die Spieler sollen sich nicht mimosenhaft verhalten sondern dagegen halten.
Das ist auch bitter nötig, denn der VfL liegt am Abgrund und kann in einer Woche schon zwei Umdrehungen weiter sein. Die Ultras rufen zum Boykott des Heimspiels gegen Bielefeld auf. Torwart Heerwagen muss, berechtigt oder nicht, wohl dem Unmut der Zuschauer geopfert werden und dürfte seinen Stammplatz zunächst an Andreas Luthe verloren haben. Nach Maric das zweite Opfer im Team. Nur auf den ersten Blick überrascht, dass Slavo Freier im Moment der Leitwolf und Hoffnungsträger ist. Trotz vieler schwacher Spiele und Rückschläge hat sich Freier nie kritisch über andere sondern nur über sich geäußert und im Training und auf dem Platz alles gegeben. An ihm sollen sich andere orientieren, die sonst durch lamentieren und depressive Körperhaltung auffallen. Hierbei könnte Federico Opfer Nummer 3 werden, wenn der Kritik des Trainers Taten folgen. Und damit sind die möglichen personellen Konsequenzen für Mittwoch schon nahezu erschöpft. Tese wird, sofern er fit ist, für Dedic zurück in die Startelf rutschen. Johansson könnte die zweite 6 neben Kapitän Dabrowksi werden. Die Viererabwehr dürfte stehen, ob mit Mavraj oder Maltritz ist wohl egal. Kopplin und Grote spielen außen verhältnismäßig ordentlich. Vielleicht bekommen im derzeit schwachen Mittelfeld Rzatkowski oder Kefkir mal eine Chance, zumal Prokoph in der Offensive wahrlich nicht glänzt. Wie dem auch sei, der VfL muss ein beherztes und leidenschaftliches Spiel abliefern um sich eine Gnadenfrist beim verbleibenden Publikum zu erspielen. Gegen Bielefeld, eine Art Derby, und am Montag in Düseldorf geht es um enorm viel. Beide Teams haben sich am letzten Spieltag durch überflüssige Platzverweise im Vorfeld geschadet, was unterstreicht, dass auch in Ostwestfalen und am Rhein die Nerven blank liegen.
Mein Tipp: VfL Bochum 1848 - Arminia Bielefeld 2:1

Sonntag, 19. September 2010

...sonst ändert sich nix!

Was der VfL derzeit abliefert ist in nahezu allen Belangen das Gleiche wie in der letzten Saison. Die grauenvolle Serie zum Ende der Bundesliga wird, nur unterbrochen vom Heimsieg gegen 1860, nahtlos fortgesetzt. Verdiente und peinliche Niederlagen gegen Offenbach, Aue, Augsburg und Oberhausen. Wahrlich keine Übermannschaften. - Es ist einfach grauenvoll, was die Mannschaft um und mit erfahrenen Bundesligaspielern und Stars, die sich zu höherem berufen fühlen, abliefern. Die mit viel Vorschusslorbeeren geholten Neuverpflichtungen haben sich nahtlos in die Mannschaft integriert. Leider, denn ein neuer Geist, Herzblut, Leidenschaft und Kampf wurde mit ihnen erhofft und erwartet. Nun steht der VfL am Ende der 2. Liga und ihm droht nach der englischen Woche vielleicht schon eine Saison, maximal im Mittelmaß. Die Zuschauer werden ihren Teil zum Niedergang beitragen. Kaum mehr als 10.000 werden zu den Heimspielen gegen Fürth, Frankfurt, Ingolstadt und Paderborn kommen wollen. Gegen Bielefeld und Aachen werden die Gästefans die Kulisse halbwegs erträglich gestalten. Im Moment weiß wohl niemand, wie der Hebel umgelegt werden kann. Mich eingeschlossen.

Mittwoch, 15. September 2010

Köln (1.FC; Müngersdorf)

In der Rangliste der am meisten besuchten Fußballplätze liegt bei mir Köln-Müngersdorf auf Rang drei. Und das ist nicht in einer Sympathie zu dem Verein begründet. Vielmehr ist es das (nach Leverkusen) naheliegendste Stadion in dem seit meiner Kindheit höherklassiger Fußball (Ligazugehörigkeit) gespielt wurde und zu dem mein Vater früher gelegentlich fuhr, als der Bayer noch gegen Wanne-Eickel spielte.

Die alte Schüssel in Müngersdorf wurde 1975 fertig gestellt und war für mich sehr beeindruckend, wenn sie denn gut gefüllt (61.000) war, so beispielsweise bei Spielen gegen die Bayern, im UEFA-Cup oder bei Länderspielen. Im tristen Bundesligaalltag gegen Bochum, Uerdingen oder Karlsruhe hingegen fühlte es sich immer wie Winterwetter an. Die neue, 2003 fertig gestellte, Arena ist nahezu immer ausverkauft (50.000) und dem Kölner ist es ja egal wie der Eff-zäh spielt, man feiert sich selber. Und das ist schon beeindruckend bis hin zur Übelkeit...


Besondere Erinnerungen habe ich an mein erstes VfL-Spiel (1:6), die Meisterschaft des 1.FC Kaiserslautern, das Länderspiel gegen Wales kurz nach dem Mauerfall und die Relegation der Fortuna gegen Dortmund. Die Spiele des VfL in Köln sind immer gleich schlecht und verschwinden schnell wieder aus meiner Erinnerung.

u.a.:

3. April 1976 1.FC Köln - Bayern München 2:5 (1:3),
50.000 Zuschauer, DFB-Pokal-Viertelfinale

6. Mai 1977 1.FC Köln - VfL Bochum 6:1 (5:0),
12.000 Zuschauer

13. Mai 1987 Fortuna Köln - Borussia Dortmund 2:0 (0:0),
44.000 Zuschauer, Relegation zur Fußball-Bundesliga

2. März 1988 Bayer 04 Leverkusen - FC Barcelona 0:0 (0:0),
41.000 Zuschauer, UEFA-Pokal Viertelfinale

15. Nov. 1989 Deutschland - Wales 2:1 (1:1),
60.000 Zuschauer, WM-Qualifikationsspiel

18. April 2004 1.FC Köln - VfL Bochum 1:2 (0:1),
43.500 Zuschauer, einziger VfL-Sieg in Köln in 33 Spielen

Sonntag, 12. September 2010

The Damnded United - Der ewige Gegner

Der als "Der Fußballfilm des Jahrzehnts" und absolutes Muss angekündigte Film kommt bei mir nicht ganz so gut weg, wie bei vielen anderen Rezensionen. Die Geschichte des Brian Clough und seinen 44 unglücklichen Tagen als Trainer von Leeds United ist zwar sehr eindringlich, aber ich habe mir laufend die Frage gestellt, wie dieser Brian Clough denn bei seinen erfolgreichen Tagen so war. Und diese waren deutlich mehr an der Zahl und die Leistung, mit Derby aufzusteigen und Meister zu werden gewaltiger, als mit einer starken Mannschaft einen fetten Fehlstart hinzulegen und sich mit der Mannschaft zu überwerfen. Von daher hätte nach meinem Empfinden auch mehr darüber eingebracht werden können und vielleicht sogar vom anschließenden Höhenflug mit Nottingham Forest bis auf dem europäischen Olymp. - The Damned United ist nicht unvorbereitet zu sehen. Man muss bereit sein abzutauchen in eine andere Fußballzeit und in eine andere Kultur. Am besten, man schaut den Film im Originalton mit einigen Dosen Bier und in einem stark verrauchten Wohnzimmer. Beim zweiten oder dritten Mal kommt er dann so richtig zur Entfaltung.

Offizielle Seite hier
Auf 11Freunde hier

Thema: +++
Anschaulichkeit:
+++
Orginalität:
+++
Kult:
+++
Preis:
++++

The Damned United von Michael Sheen

Blue-Ray / DVD - 94 Min.
Sprache: Englisch / Deutsch
Preis: ab 9,95 Euro (DVD)



erhältlich in verschiedenen Versionen auf verschiedenen Medien.

Donnerstag, 9. September 2010

Aachen

Auf dem Aachener Tivoli erlebte ich das emotionalste Fußballspiel meiner Laufbahn. Mehr noch als UEFA-Cup-Spiele und Pokalfinale. Der Bundesligaaufstieg 2002. mit einem 3:1 Sieg, während gleichzeitig Mainz 05 bei Union Berlin verlieren musste - und verlor. Unbeschreibliche Szenen in den Blöcken während des Spiels, unabhängig vom Geschehen auf dem Aachener Platz, denn alle waren mit Ohren und Seele längst in Berlin.

Der (alte) Tivoli mit seinen 21.300 Plätzen, überwiegend Stehplätze, war ein Stadion der alten Schule, welches vor allem Freitagsabend unter Flutlicht seinen Charme und seine Würde ausstrahlte. Hier wurde viele Jahre ehrlicher Fußball vor begeisterndem Publikum zelebriert. Günter Delzepich und Willi Landgraf fallen mir spontan als Verkörperung des Aachener Fußballs ein.

Jetzt hat Aachen einen neuen Tivoli mit knapp 33.000 Plätzen (davon 2/3 Sitzplätze), neue finanzielle Probleme und Mühe dort heimisch zu werden und ein neues Image zu finden bzw. das alte nicht zu verlieren. Der neue Tivoli scheint austauschbar mit vielen anderen neuen Arenen zu sein. Er ist leider nichts Besonderes mehr.

1998 Alemannia Aachen - Bayer 04 Leverkusen II 1:1
(11. Spieltag, Regionalliga West)

5. Mai 2002 Alemannia Aachen - VfL Bochum 1:3 (0:2)
16.600 Zuschauer

(unteres Bild von Carolus Ludovicus auf wikipedia.de )

Sonntag, 5. September 2010

Oliver Birkner - Ihr werdet es schon sehn

Den Totalverriss des Buches in einer der jüngsten Ausgaben von 11Freunde habe ich als persönliche Kränkung empfunden. So kann man mit einem Buch über den VfL Bochum, oder genauer: über die Fans des VfL Bochum nicht umgehen. Konzentrierte sich die Kritik auf zwei Kerne, so sei hiermit entgegnet:

1.) Natürlich ist es für die Allgemeinheit nicht von Nöten, dass jetzt jede Wurst ein Buch über seinen Wurstverein schreibt. Aber da der VfL Bochum für mich DER Verein ist, ist ein solches Buch genau so notwendig wie ein Brauhausführer für Köln.

2.) Dem Autor zu unterstellen, er schwängere sein Buch mit erfundenem Beiwerk, geht mir gelinde gesagt am Arsch vorbei. Ob nun seinerzeit tatsächlich Daktari im ZDF parallel zur ARD-Sportschau lief und ob es tatsächlich Familientheater gab, was denn nun geguckt wurde - geschenkt. Und auch wenn die Dialoge mit Engländern, Italienern oder Lebensabschnittsgefährtinnen tatsächlich anders gewesen sein mögen. Egal. Denn der Geist ist wichtig, nicht das Wort!

Nun zum Inhalt: Es hätten schon mehr als 160 Seiten sein dürfen. Die Geschichten, die rund um den VfL erzählt werden, sind amüsant und gut zu lesen. Da der junge Birkner ungefähr mein Jahrgang ist, kann ich mich lebhaft an nahezu alles Spiele und Situationen erinnern und weiß meist auch, wo ich bei dem Ereignis gerade war. Das macht das Lesen noch ein Stück lebendiger. Birkners berufliche (und zum Teil private) Reisetätigkeit lässt ihn einige skurrile Situationen durchleben. In Florenz, Bogota, Manchester und anderswo. Immer gepaart mit originellen Dialogen (die vielleicht nachträglich etwas feingeschliffen wurden, wie gesagt: Egal), mit dramatischen Zuspitzungen und meist wenig überraschenden Pointen. - Wer den VfL Bochum liebt und mit ihm leidet, wird das Buch verschlingen und lieben. Die anderen werden es wahrscheinlich nur nett finden. Aber das ist mir. wie gesagt, egal.

Thema: ++++
Lesbarkeit: ++++
Orginalität: +++
Kult: ++ (Für VfLer: +++++)
Preis: ++

Oliver Birkner - Ihr werdet es schon sehn
Taschenbuch: 160 Seiten
Verlag: Die Werkstatt (4. Januar 2010)
Sprache: Deutsch
Preis: 9,90 Euro