Freitag, 8. Oktober 2010

Hätte Herr Wulff mal lieber mit Herrn Altintop gesprochen

Da hat sich unser aller Bundespräsident zwei schöne Termine ausgesucht, um sich Ecken und Kanten zu geben und den Sarrazin-Fluch-der-ersten-Tat zu vertreiben. Seine erst große Rede am Tag der Deutschen Einheit und die Verleihung von hohen Auszeichnungen an die Deutsche Fußball-Nationalmannschaft. Seine Botschaften bei beiden Terminen: Der Islam gehört zu Deutschland, die Deutsche Nationalmannschaft ist ein Beleg für gelungene Integration. So weit so gut. Die Reflexe der CSU und der katholischen Kirche waren einkalkuliert und dürften ihm in der Summe mehr Nutzen als Schaden. Es würde auch nicht wundern, wenn der Bundespräsident noch erklärt, heute Abend schlagen zwei Herzen in seiner Brust...

Nicht einkalkuliert haben dürfte er aber die Aussagen des türkischen National- und Bundesligaspielers Hamil Altintop (zitiert z.B. im Reviersport). Der kommt direkt zur Sache und erklärt vor allem mit Blick auf Mesut Özil: "Ich weiß, dass es heute einfach um die Perspektive geht, um die Frage: Bei welchem Verband kann ich mehr erreichen, wo kann ich mich besser entwickeln? Fußball ist manchmal eine Herzensangelegenheit, aber viel öfter ein Business".

Na hallo, könnte das vielleicht auch ein Grund dafür sein, dass beim Abspielen der Nationalmannschaft ein Teil der "Integrationsvorbilder" nicht mitsingt oder Koranverse betet? - Da muss natürlich der momentane Kapitän der Nationalmannschaft politisch korrekt verlauten lassen: "Die Nationalmannschaft ist ein Sinnbild der Gesellschaft". Gleichzeitig räumte Philipp Lahm ein, dass ein Miteinander von Spielern verschiedener Herkunft im Nationalteam unter besonders günstigen Voraussetzungen zustande kommt: "Man darf nicht vergessen, wir alle sind auf gleichem sozialen Stand." Und das ist kein schlechter. Zumal die Großverdiener und die Fußballnationalspieler naturgemäß tendenziell kosmopolitisch sein müssen, wechseln sie doch ihre Arbeitsplätze zumindest in Europa und haben wechselnde Arbeitskollegen aus allen Ländern dieser Welt.

Die traditionellen Grillfeiern der Familien unserer Nationalspieler, die wor vor jedem Länderspiel eingeblendet bekommen, wären ein Beispiel für Integration. Die Nationalmannschaft selber hingegen nicht. Und deshalb sollte man da auch nichts hineininterpretieren, nur weil es sich so toll anfühlt.

Deshalb sei noch einmal Hamil Altintop zitiert, der ein glaubwürdiges Beispiel für gelebte Integration ist: "Ich bin Deutschland sehr, sehr dankbar, ich habe hier sehr viel gelernt und sehr viele Chancen bekommen. Aber meine Mama kommt aus der Türkei, mein Vater kommt aus der Türkei, ich bin Türke."

1 Kommentar:

  1. "..., dass beim Abspielen der Nationalmannschaft ein Teil der "Integrationsvorbilder" nicht mitsingt oder Koranverse betet?"

    Was ist gegen dieses Beten einzuwenden?
    Ansonsten bin ich da ganz bei Dir (und Altintop).

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