Freitag, 1. Oktober 2010

Jahreshauptversammlung beim VfL - Die Basis versucht's mit Demokratie

Am kommenden Montag (4.10) ist Jahreshauptversammlung beim VfL Bochum. Und erstmals dürfte es so richtig spannend zugehen, nachdem bei der letzten Versammlung nur relativ wenige Mitglieder durch Verweigerung der Entlastung des Aufsichtsrates ihrem Unmut Luft gemacht haben. - Wie berichtet haben sich im Sommer verschiedene Initiativen gefunden, um dem offensichtlichen Niedergang des Vereines entgegenzuwirken. Für viele überraschend ist diesen weder die Luft noch der Rückhalt ausgegangen. Ganz im Gegenteil, die Vereinsführung hat das Gespräch mit diesen Gruppen und Personen gesucht und ihnen durchaus die Hand gereicht um konstruktive Ansätze und Überlegungen aufzunehmen. Es dürften aus meiner Sicht nicht nur taktische Gründe von Werner Altegoer gewesen sein. Ich bin davon überzeugt, dass er in der Tat bereit ist Anregungen aufzunehmen und Veränderungen mit zu tragen. Gleichwohl treffen hier auch "Generationen" aufeinander. Werner Altegoers Lebensweg, seine berufliche Entwicklung und seine Art von Vereinsführung entsprechen sicherlich nicht dem, was man heutzutage modern nennt. Dennoch darf nicht vergessen werden, dass sich der VfL im Vergleich zu vielen, vielen anderen Vereinen mit ähnlichen Voraussetzungen gut gehalten und geschlagen hat. Auch wenn es derzeit schlecht läuft und zweifellos Fehler gemacht wurden, hat es der VfL immer noch besser gemacht als Bielefeld, Saarbrücken, Mannheim, Essen, Düsseldorf, 1860, usw. Einzig Mainz, Freiburg und St. Pauli kann ich eine ähnliche gute und solide Entwicklung bescheinigen wie dem VfL. Das darf nicht vergessen werden und man sollte bei aller Kritik und allem Ärger den Respekt vor den Personen nicht verlieren, die viele Jahre ehrenamtlich viel Arbeit und Herzblut in unserem VfL gesteckt haben.

Frank Goosen, der sich einerseits sehr massiv gegen die aktuelle Entwicklung ausgesprochen hat, andererseits regelmäßig in der Stadionzeitung seine Kolumne schreibt, hat sich bereit erklärt für den Aufsichtsrat zu kandidieren. Eine mutige Entscheidung von ihm, ebenso mutig ist es aber auch, ihn zur Wahl vorzuschlagen. Diese dürfte ein Selbstläufer werden und wir dürfen gespannt sein, ob sich dadurch Denken und Handeln in der Vereinsführung ändern werden.
Immerhin kann man bereits feststellen, dass sich in Punkto Kommunikation einiges verbessert hat. Sonderinfos für die Mitglieder und ausführliche Berichte über Gremien, Personen und Arbeit der Vereinsführung in der Stadionzeitung inbegriffen.

Des weiteren gibt es drei konkrete Anträge der Fan-Initiativen "Wir sind VfL" und "Klartext 1848", die ich hier im Wortlaut wiedergebe:

Antrag 1: Einrichtung einer Satzungskommission
Die Jahreshauptversammlung des VfL Bochum 1848 möge beschließen:

Der VfL Bochum 1848 setzt eine Satzungskommission ein, die den Auftrag erhält, der nächsten ordentlichen Mitgliederversammlung im Jahr 2011 beschlussfähige und juristisch tragfähige Vorschläge für eine Überarbeitung der Satzung des VfL Bochum zu unterbreiten.

Die Satzungskommission soll unter anderem die folgenden Ziele bei ihrer Arbeit berücksichtigen:
- Die Mitgliederversammlung soll einen direkteren Einfluss auf die Zusammensetzung des Aufsichtsrates erhalten.
- Dem Aufsichtsrat soll ein stimmberechtigtes Mitglied aus dem Kreis der organisierten Fanclubs angehören.
- Die Schaffung transparenter und offener Wahlverfahren für alle Organe des Vereins.

Die Kommission kann diesen Katalog um weitere Zielsetzungen ergänzen.

Die Zusammensetzung der Kommission ist wie folgt:
- Drei vom Aufsichtsrat zu bestimmende Vertreter/innen aus Reihen der weiteren offiziellen Organe des Vereins
- Drei Vertreter/innen aus der Mitte der Jahreshauptversammlung

Zu den Vorschlägen, bei denen innerhalb der Kommission keine Einigkeit erzielt werden kann, sind der Mitgliederversammlung alternative Varianten vorzuschlagen.

Bei Annahme dieses Antrags sind die Vertreter/innen aus der Mitte der Mitgliederversammlung im Anschluss zu wählen.

Begründung:
Die Satzungsdiskussion der zurückliegenden Monate soll in einer Satzungskommission des Vereins fortgeführt werden. Die notwendig
en Satzungsänderungen sollen von Mitgliedern des Vereins sowie von Vertretern aus den gewählten Gremien des Vereins auf Augenhöhe erarbeitet und der ordentlichen Mitgliederversammlung im Jahr 2011 vorgelegt werden.
Eine weitere Begründung erfolgt mündlich.

Antrag 2: Umsetzung des Leitbildes in sportlicher Hinsicht
Die Jahreshauptversammlung des VfL Bochum 1848 möge beschließen:

Der VfL Bochum hat sich im Jahr 2007 als erster Profifußballverein ein Leitbild gegeben, um seine Identität nach innen und nach außen zu stärken. Dieses Leitbild hat unverändert seine zentrale Bedeutung für Verein, Mannschaft und Fans.

Allerdings war die Umsetzung dieses Leitbildes „auf dem Platz“ in den letzten Jahren nicht immer erkennbar. Gerade der Wert der „regionalen Identität“ sowie die Werte „Wir sind...unbeugsam ... nah ... professionell ... mitreißend“ entsprachen nicht immer der Zusammensetzung und der Haltung der Mannschaft. Wir wissen aber, dass das Le
itbild zuallererst „auf dem Platz“ gelebt werden muss, wenn es Wirkung entfalten soll.

Die Mitgliederversammlung beauftragt daher den Vorstand des Vereins, ein Konzept zur Umsetzung des Leitbildes zu entwickeln – insbesondere in sportlicher Hinsicht. Dieses soll u.a. eine mittelfristige Strategie für die Nachwuchsarbeit beinhalten. Der nächsten ordentlichen Mitgliederversammlung ist hierüber ein Bericht vorzulegen.

Begründung:
Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft vor allem aus sportlicher Sicht eine große Lücke, wenn es darum geht, das Leitbild in die Tat umzusetzen. Entsprechend wird der Verein beauftragt, der Mitgliederversammlung ein Konzept vorzulegen, um die genannten Ziele und Ideale mit Leben zu füllen. Besonders die Nachwuchsarbeit des VfL soll dabei berücksichtigt werden.
Eine weitere Begründu
ng erfolgt mündlich.

Antrag 3: Stimmrecht des Fan-Vertreters im Aufsichtsrat/Aufstockung der stimmberechtigen Mitglieder des Aufsichtsrates
Die Jahreshauptversammlung des VfL Bochum 1848 möge beschließen:

§ 18 Nr. 1 Satz 1 („Der Aufsichtsrat besteht aus 5, maximal 9 Personen mit Stimmrecht.“)

wird wie folgt geändert:

„Der Aufsichtsrat besteht aus 5, maximal 10 Personen mit Stimmrecht.“

Begründung:
Durch die geplante Nachwahl für das ausgeschiedenen Aufsichtsratsmitglied Dieter Bongert und die Benennung von zwei weiteren Mitgliedern des Aufsichtsrates, gehören diesem Gremium dann neun Personen an (1. Werner Altegoer, 2. Klaus-Peter Schütt, 3. Horst Christopeit, 4. Volker Goldmann, 5. Heinz Hossiep, 6. Gerd Kirchhoff, 7
. Hans-Peter Villis, 8. Bernd Wilmert und 9. Frank Goosen). Damit wären die stimmberechtigten Plätze im Aufsichtsrat belegt bzw. besetzt.
Laut Satzung kann ein Vertreter der eingetragenen Fanclubs weiteres Mitglied des Aufsichtsrates sein. Diese Position ist mit Axel Treffner besetzt, der aufgrund der Aufstockung des Aufsichtsrates als zehnte Person allerdings kein stimmberechtigtes Mitglied dieses Gremiums mehr wäre. Um diese Satzungslücke zu schließen und zu gewährleisten, dass der Fan-Vertreter im Aufsichtsrat auch weiterhin Stimmrecht genießt, wird die Anzahl der stimmberechtigten Aufsichtsratsmitglieder um eine Person ergänzt.
Eine weitere Begründung erfolgt mündlich.

Zudem wird zur Wahl des Wahlausschusses eine eigene Kandidatin vorgeschlagen, was auch in der aktuellen Stadionzeitung bekannt gegeben wurde:
Kerstin Kliß vom Fanclub „Blau-weißer Klüngel“ kandidiert
Wie der Ein
ladung zur Jahreshauptversammlung entnommen werden kann, wird an diesem Abend ein neuer Wahlausschuss gewählt. Dieser hat nach der aktuellen Satzung die Aufgabe, der Mitgliederversammlung geeignete Kandidaten für die Wahl des Aufsichtsrates vorzuschlagen. Obgleich die Neuwahl des Aufsichtsrates erst im Jahr 2012 auf der Tagesordnung steht, werden mit der nun anstehenden Wahl des Wahlausschusses die ersten Weichen für die anstehenden Personalentscheidungen gestellt.
Um überhaupt in den Wahlausschuss gewählt werden zu können, müssen etwaige KandidatInnen mindestens 40 Jahre jung und mindestens fünf Jahre Mitglied des VfL Bochum 1848 sein.
Wir freuen uns, mit Kerstin Kliß eine Person aus dem Kreise der Fans gefunden zu haben, die diese Voraussetzungen erfüllt und die sich vor allem bereit erklärt hat, sich dieser Wahl am 4. Oktober zu stellen.

Hier eine kurze Vorstellung von Kerstin:
„Ich heiße Kerstin Kliß, bin in Bochum geboren und aufgewachsen und habe mein Studium als Diplom-Sozialpädagogin abgeschlossen. Inzwischen lebe ich in Köln, wo ich auch im Versicherungswesen (Auslandsrückholdienst) arbeite. Doch auch in Köln hat mich meine Verbundenheit zu unserem VfL nicht losgelassen und habe daher mit einigen Bochumer Exilanten den Fanclub "Blau-weißer Klüngel" gegründet, in dem ich immer noch aktiv bin.
Seit 16 Jahren besitze ich eine Dauerkarte und bin seit neun Jahren Mitglied im VfL Bochum. Bei jedem Heimspiel bin ich in der Ostkurve in Block P links zu finden und fahre zudem regelmäßig zu den Auswärtsspielen.
Ich kandidiere für den Wahlausschuss, um in dieses Vereinsorgan eine "Stimme aus der Kurve" hineinzutragen. Es ist an der Zeit, dass diese Stimme in den Organen des Vereins mehr als bisher Gehör findet. Diese Stimme möchte ich im Wahlausschuss sein und bitte euch daher um eure Unterstützung bei der Wahl zum Wahlausschuss. - Vielen Dank!“


Ich muss ein ausdrückliches Kompliment und meine Anerkennung aussprechen, dass es gelungen ist, über die Zeit so konstruktiv und zielgerichtet zu arbeiten. Zwei Fan-Konferenzen und zahllose Gespräche mit Einzelpersonen, Gruppierungen, Medien ist eine Herkulesaufgabe, die kaum zu stemmen ist. Man merkt deutlich, dass hier Personen am Werk sind, denen es um den Verein und nicht um sich selbst geht. Und dass diese Personen auch in der Lage sind konzeptionell, sachlich und fair zu arbeiten.

Ich bin sehr gespannt auf die Versammlung und sehe in den sinnvollen, abgewogenen und sachlichen Anträgen einen Gradmesser, ob die Fans des VfL
und der Verein wieder zusammenfinden. Es wäre zu wünschen und es wäre mehr als nur ein Signal.

Ich werde daher alle drei Anträge sowie die Kandidatur von Kerstin unterstützen und rufe alle Mitglieder auf, zur JHV zu kommen und die Initiativen zu unterstützen. Hier kann etwas Besonderes entstehen. Wir sollten die Chance nutzen.

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