Mittwoch, 24. November 2010

Zwischen Revolte und Lethargie – zwischen Hoffen und Bangen

Der VfL kündigte in dieser Woche an, dass man sich in der Winterpause von fünf bis sechs Spielern trennen wolle. Die Leistung und das Auftreten einiger Akteure hat das Fass auch beim neuen Trainer wohl endgültig zum Überlaufen gebracht. „Warum erst jetzt?“ und „Warum nur fünf oder sechs?“ sind jetzt die stimmungsgeladenen Fragen, die auch auf der gestrigen 3. Fan-Konferenz des VfL hochkamen. Aber vor dem Hintergrund der Vertragslage und der Marktsituation dürfte klar sein, dass man froh sein kann, wenn sich überhaupt noch jemand findet, der Spieler dieses Formates nimmt. An Ablösesummen braucht man gar nicht groß zu denken, wahrscheinlicher ist da schon eher, dass der VfL einen Teil des Gehaltes weiterbezahlt, wenn die Kicker in der 3. Liga unterkommen. Welche Spieler das nun betrifft, wird spannend bleiben. Nach überwiegender Meinung müssten auf der Abschussliste Maric, Mavraj, Maltritz, Dedic, Federico und Pfertzel stehen. Auch Heerwagen, Grote, Concha, Johansson und Yahia können sich Hoffnungen auf einen Klimawechsel machen. Toski, Saglik und Kopplin dürfte noch eine Schonfrist eingeräumt werden. Hingegen haben sich Dabrowski, Freier und Tese zumindest vom Einsatz von den Kollegen abgehoben und sollten mit Luthe und Bönig sowie jungen Spielern wie Fabian, Vogt, Aydin, Rzatkowski, Semlitz und Kefkir den „neuen VfL“ prägen (Siehe auch diese Überlegungen). Umstritten ist die Personalie Azaouagh, der sich in der zweiten Mannschaft gut präsentiert und vielleicht eine neue Chance bekommen kann. Trainer Funkel wird seinen starken Auftritt gegen Lotte gestern interessiert verfolgt haben. Er wäre sportlich sicherlich eine momentan perfekte Alternative für Federico auf der 10er Position. Auf der angesprochenen Fan-Konferenz wollten allerdings nur rund 1/3 ein Comeback von Aza, während beim angesprochenen Spiel gegen Lotte rund 20 Anhänger genau dieses lautstark forderten…

3. Konferenz mit 150 Fans
(Foto: Andreas Wiemers / Sebastian Enste)

Dass ein Podiumsmitglied auf der 3. Fan-Konferenz im riff ein T-Shirt mit der Aufschrift „Aufruf zur Revolte“ trug, dürfte nicht zufällig gewesen sein. Die gut 150 Teilnehmer erlebten jedoch einen Abend, der von viel lethargischer Ratlosigkeit geprägt war. Die Versuche der Initiative „Wir sind VfL“ den Fans eine gemeinsame Zukunftsperspektive abzuringen, schlug fehl. Die Teilnehmer verloren sich in Themen, die aktuell nicht auf der Tagesordnung stehen oder den üblichen Plattitüden und Vergangenheitsbewältigungen. Aber wen sollte das wundern und wer will ihnen das übel nehmen.

So nahm eine nicht unwesentliche Zeit das Thema Blockwahl bei der bevorstehenden Aufsichtsratswahl ein. Obwohl Wahlausschuss-Mitglied Günter Bernhörster als auch Aufsichtsrat-Mitglied Frank Goosen deutlich machten, dass nach geltender Satzung eine Blockwahl vorgegeben ist und auch potentielle Kandidaten diese wünschen, wurde dies immer und immer wieder angesprochen.

Zumindest wurde deutlich, dass den Initiatoren und Teilnehmern wichtig ist, noch in diesem Jahr die außerordentliche Mitgliederversammlung durchzuführen, damit bereits in der Winterpause notwendige strukturelle und personelle Entscheidungen getroffen werden können. Laut Günter Bernhörster liege es nicht am Wahlausschuss und laut Frank Goosen auch nicht am Aufsichtsrat oder an der Verfügbarkeit eines geeigneten Raumes. Diese klare Botschaft hatte dann auch Reviersport-Journalist Günther Pohl notiert und sie sollte deutlich beim Vorstand ankommen, der nun schnellstens aktiv werden muss. Frank Goosen lies sich gestern Abend auch dahingehend ein, dass er einen Aufsichtsratvorsitzenden Ernst-Otto Stüber und die Kollegen Villis und Wilmert für gut und hoffnungsvoll erachtete. Dieses Bekenntnis ist zweifellos eine wichtige Rückendeckung.

"Gustl" raus

Die zum Teil sehr deutliche Kritik an Thomas Ernst wurde von nahezu allen Teilnehmern geteilt. Es dürfte klar sein, dass die neuen Aufsichtsratsmitglieder sich auf der Mitgliederversammlung der konkreten Frage gegenüberstehen werden, ob sie Thomas Ernst umgehend entlassen werden. Das muntere Köpferollen soll also weitergehen und steht bei vielen vor der Frage, wie es grundsätzlich weitergehen soll. Andreas Wiemers brachte es zwar noch einmal auf den Punkt: Er erwartet, dass die Kandidaten mit einem konkreten Konzept über die zukünftige Aufstellung des Vereines antreten sollen. Dies brachte ihm aber nicht den Applaus ein, der für diese wichtige Voraussetzung selbstverständlich sein sollte. Es erscheint daher dringend geboten, dass eine 4. Fan-Konferenz genau diese Präsentation und Diskussion mit den Aufsichtsrats-Kandidaten führt. Die Fans erwarten nicht mehr als ein schlüssiges Konzept und klare Worte. Und das erwarten sie zu Recht. Diese Konferenz und eine weitere mit Trainern und (ausgewählten) Spielern vor Beginn der Winterpause könnte noch einmal eine Initialzündung für einen gemeinsamen Weg und ein Zusammenrücken sein.

Was gab es sonst noch zu berichten? Günter Bernhörster verlor im Laufe der 2½-stündigen Veranstaltung seine Rolle als Mitglied des Wahlausschusses und präsentierte sich als langjähriger Fan, der zu jedem und allem was zu erzählen wusste. Das war leider viel mehr als man von ihm hören wollte und viele seiner Ausführungen und sportlichen Analysen fanden nicht die ungeteilte Zustimmung der Teilnehmer. So war es letztendlich VfL-Ehrenratsmitglied Christof Wieschemann, der das verbale Highlight des Abends setze. Verbunden mit einem kräftigen verbalen rumgeeiere zitierte er John F. Kennedy mit „I have a dream!“ und nicht wenige dachten unweigerlich: Träum weiter.

Hoffen und Bangen

Für das Spiel am Freitag gegen des SC Paderborn erwartet momentan niemand etwas Besonderes. Personelle Überraschungen (Azaouagh, Rzatkowski) dürften zwar möglich sein, die Fans aber werden deutlich machen, dass der Großteil des Kaders seinen Kredit endgültig verspielt hat. Kaum mehr als 9.000 Zuschauer dürften sich den winterlichen Flutlichtkick anschauen wollen und hoffen, dass jetzt Punkte eingefahren werden, die den Abstand nach unten vergrößern. Das Bangen, dass der VfL mit einer Niederlage in allergrößte Probleme kommt, wird aber am Freitag die Zuschauer begleiten. Bisher spieleten die beiden einmal in Bochum gegeneinander. 2005 gab es vor 21.100 Zuschauern (!) ein 1:1.

Mein Tipp: VfL Bochum – SC Paderborn 2:0

Links:
Andreas Wiemers: Lagerstätte
Fantastic Supporters

1 Kommentar:

  1. JFK mit "I have a dream"? Au weia. Hätte er wenigstens das Original von Martin Luther King zitiert.

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