Sonntag, 30. Januar 2011

Joe McGinniss - Das Wunder von Castel di Sangro

In der Zeit der Geburt von Fußballkult(ur)büchern erschien Joe McGinniss' Begleitung des italienischen B-Ligisten Castel die Sangro. In der Saison 1996/97 hielt die Mannschaft aus dem 5.900-Seelen-Dorf in den Abruzzen sensationell die Klasse, in die sie zuvor ebenso sensationell aufgestiegen war. McGinniss gelang es, Teil der Mannschaft und des Dorfes zu werden und eine Saison lang nicht nur die sportlichen Höhen und Tiefen mitzuerleben sondern auch viele zwischenmenschliche und vereinspolitische Einblicke zu bekommen. Darin spiegelt sich die Leidenschaft der Italiener für den Fußball genau so wieder, wie die damit oft verbundenen Auswüchse und gesellschaftlichen Verzahnungen.

Mit 500 Seiten kann man viele Wochen verbringen, aber das Buch fesselt den Fußballfan und -leser derart, dass es eine kurze fußballfreie Zeit ausreicht, um es zu inhalieren. Man fühlt sich schnell in den Verein und das Geschehen hineinversetzt. McGinniss kommt nach meinem Eindruck ohne den Versuch aus, durch Übertreibungen und Zugedichtetem reißerischer zu werden. - Ein tolles Buch!


Thema: ++++
Lesbarkeit: ++++
Orginalität: ++++
Kult: +++
Preis: +++

Joe McGinniss - Das Wunder von Castel di Sangro
Taschenbuch: 489 Seiten
Verlag: Kiepenheuer & Witsch (20. September 2007)
zuerst erschienen bei Ullstein Tb (2002)
Sprache: Deutsch
Preis: 9,95 Euro
Original: Miracle of Castel die Sangro

Samstag, 29. Januar 2011

Die Zirbelnuss knacken

Bochum hat nach dem sechsten Sieg in Folge noch einmal zugeschlagen und Ümit Korkmaz verpflichtet. Österreicher, wie der Name vermuten lässt, und für die Außenbahn bestimmt. Eine Ergänzung für Azaouagh und vielleicht ein belebendes Element für die trotz der letzten Siege unbefriedigende Bochumer Offensive.

Auch gegen Aue lieferte der VfL eine in der Abwehr und Mittelfeld gute Partie ab. Einzig die Abteilung Sturm kam nicht ans rollen. So dürfte Trainer Funkel auf Tese als Stürmer setzen. Im Mittelfeld könnte Federico (neben Aza) zunächst beginnen und Korkmaz als Option zunächst auf der Bank sitzen. Vieles spricht dafür, dass Dabrowksi, Johansson und Vogt wieder auflaufen. In der Abwehr könnte erstmals wieder Bönig für Ostrzolek zum Einsatz kommen.

Augsburg liegt in Schwaben, am Lech, ist über 2.000 Jahre alt und hat 1/3 weniger Einwohner wie Bochum. Im rot-weißen Stadtwappen findet sich die Zirbelnuss, der aufrecht stehende Zapfen einer Zirbelkiefer. Nicht viel origineller im Stadtwappen als ein Buch.

Nach einer Serie von vier Niederlagen in Folge (Duisburg, Aue, 1860, Düsseldorf) hat Augsburg seit dem 9. Spieltag acht Siege und drei Remis geholt und sich vom 11. auf den 2. Platz vorgearbeitet. Mit Nando Raffael (10), Michael Thurk (7), Stephan Hain (6) und Torsten Oerhl (5) habben die Männer vom Lech bei 37 Treffern die zweitstärkste Offensive der Liga und bei nur 17 Gegentreffern die drittbeste Abwehr.

In ihrem fünften Zweitligajahr, nach langjähriger Abstinenz, wollen die Fuggerstädter in diesem Jahr den Aufstieg schaffen. Im Vorjahr scheiterten sie in der Relegation gegen den 1.Fc Nürnberg (0:1 in Nürnberg und 0:2 zu Hause). Die nagelneue Frauen-WM-taugliche impuls arena fasst 30.660 Zuschauer. Der Zuschauerschnitt liegt derzeit bei rund 18.000.

Augsburg ist für mich momentan Aufstiegsfavorit Nummer 1 und somit die mit Abstand härteste zu knackende Nuss. Der siebte Sieg in Folge wäre eine Sensation. Mit einem Remis könnte man sicher recht gut leben. Dennoch glaube ich nicht so richtig an einen Erfolg:

Mein Tipp: FC Augsburg - VfL Bochum 3:1

Donnerstag, 27. Januar 2011

Nike statt DoYouFootball - Ausrüsterwechsel beim VfL

Der Reviersport vermeldet, dass ab der kommenden Saison Nike neuer Ausrüste beim VfL werden wird. DoYouFootball ist in der laufenden Saison in die Insolvenz gegangen, so dass ein Wechsel zwingend nötig war.

Das bedeutet, dass wir Abschied nehmen müssen von den mehr oder weniger lieb gewonnenen individuellen Trikots. Ab nächster Saison gibt es wohl ein Design von der Stange und dazu noch eine Preissteigerung von 33%. Bisher konnte das Kurzarm-Trikot für 44,95 Euro erworben werden. Die Nike-Preise liegen bei 59,95 Euro (Beispiel: FSV Mainz 05 oder Aachen).


Ich finde, DoYouFootball passte vom Image (Bodenständig) zu uns. Mit St. Pauli, Union Berlin und Kaiserlautern waren wir trikotmäßig in einer "Kult-Liga". Auch wenn gerade das aktuelle Design eine intensive Geschmackssache war, es war einmalig. Mit Nike werden wir wieder normal sein. Und teuer. Ich hätte mir einen Partner wie uhlsport (Preis 46,95 € bei RWO bzw. MSV Duisburg) gewünscht. Oder trigema. Das wäre nicht affig, sondern kultig.

Wofür wir jetzt noch kämpfen können ist, dass die Fans über das neue Design mitbestimmen können. Vorauswahl, Auswahl, Online-Abstimmung. Vielleicht ist noch was zu retten...

Zum Thema gibt es hier eine Online-Umfrage. Das Ergebnis einer regen Teilnahme kann dem VfL mitgeteilt werden. Als Anregung zur Einbeziehung der Fans. Also: Bitte mitmachen!
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Die Verteilung der Ausrüster in dieser Saison sieht übrigens so aus:
(Quelle: Bundesliga.de)
Adidas (7 /6+1): Bayern München, Schalke 04, Bayer Leverkusen, Hamburger SV, VfL Wolfsburg 1.FC Nürnberg, FC Ingolstadt.
Nike (6 / 3+3): Werder Bremen, FSV Mainz 05, SC Freiburg, Hertha BSC, Karlsruher SC , Alemannia Aachen.
Puma (6 / 2+4): TSG Hoffenheim, VfB Stuttgart, Fortuna Düsseldorf, Erzgebirge Aue, VfL Osnabrück, SC Paderborn
DoYouFootball (4 / 2+2): 1.FC Kaiserslautern, FC St. Pauli, VfL Bochum, Union Berlin
Jako (3 / 1+2): Eintracht Frankfurt, FC Augsburg, SpVgg Greuther Fürth
Uhlsport (2 / 0+2): MSV Duisburg, RW Oberhausen
Saller (2 / 0+2): Arminia Bielefeld, FSV Frankfurt
Kappa (1 /1+0): Borussia Dortmund
Reebok (1 / 1+0): 1.FC Köln
Lotto (1 / 1+0): Borussia Mönchengladbach
Under Armour (1 / 1+0): Hannover 96
Umbro (1 / 0+1): Energie Cottbus
erima (1 / 0+1): 1860 München
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Mittwoch, 26. Januar 2011

Immer wieder montags...

Das leidige Thema der Anstoßzeiten ist für viele Anhänger von Clubs der 2. Liga. Die mittäglichen Terminierungen am Samstag (13:00 h) und Sonntag (13:30 h) dürften die eine oder andere familiäre Schlacht auslösen. Auswärtsfahren könnten diese Zeiten allerdings entgegenkommen. Freitag 18 h kann nur für diejenigen problemlos sein, für die Arbeitszeit und Anfahrzeit harmonieren (Auswärtsfahrt = Urlaubstag). Der Montag hingegen ist ein Phänomen an sich.

Rein rechnerisch müßte jeder Verein 3,33 mal an einem der 30 Montage ran.
Nach 26 vergebenen Spieltagen, sieht die Tabelle aber anders aus. Berücksichtig man, dass an den letzten Spieltagen noch
Bochum-Hertha, Augsburg-Fürth (29.)
Cottbus - Duisburg (30.)
Duisburg - Hertha, Aue - Cottbus (31.)
Cottbus - Augsburg (32.)
auf dem Programm stehen, dann dürfte klar sein, dass sich an der ungleichen Verteilung nicht viel ändern wird.

Warum für viele Fans Montagsspiele problematisch sind, braucht nicht erläutert zu werden, wobei der letzte Rest an Akzeptanz mit Sicherheit schwindet, wenn z.B. beide Auswärtsspiele in Berlin binnen weniger Wochen auf den Montag terminiert werden.

Für die Vereine stellen sich die Terminierungen aber als finanzielles Risiko dar, denn die Clubs erhalten ihre Frnsehgelder unabhängig von der tatsächlichen Anzahl von Montagsspielen. Bei jedem Aufgalopp am ersten Werktag der Woche hat das Heimteam mit der geringeren Bereitschaft der Zuschauer, ins Stadion zu gehen, zu kämpfen. Ohne auf belastbare Zahlen zurückgreifen zu können, dürften je nach Saisonverlauf, Gegner und Wetter 10 - 20% weniger Menschen die Kassenhäuschen passieren. Beim VfL also beispielsweise 2.000 bis 3.000 Zuschauer.

Zwar sind die Montagsspiele und die damit verbundene höhere Präsenz im TV werbewirksam in die Sponsoren-Verträge eingebaut, aber letztendlich eine Größe ohne großen Wert, denn die Sponsoren werden nicht bereit sein, für eine unbekannte Anzahl von Heimspielen im Montags-Free-TV einen nennenswerten Aufschlag zu zahlen.

So bleibt der VfL also bei seinen Mindereinnahmen von geschätzten 150.000 Euro hängen. Das ist nicht nur ärgerlich sondern sollte auch einer Überarbeitung des Finanzmodells Vorschub leisten. Ein Teil der TV-Einnahmen in der zweiten Liga sollte an die tatsächliche Montags-Präsenz gekoppelt sein. Das wäre ein bisschen mehr gerecht. Entschädigt die Fans letztendlich aber auch nicht, es sein denn, der Verein subventioniert mal eine Montags-Auswärtsfahrt...

Ümit Korkmaz in Bochum angekommen

Bochum, Geschäftsstelle am Stadion, 26.1.2011, 12:30 h

Dienstag, 25. Januar 2011

Beobachtungen beim Aue-Spiel

Es gab gestern Abend im revirpower-Stadion eine Menge zu beobachten:

Zum Spiel:
Der VfL war über das gesamte Match sehr aktiv, lies den Ball gut laufen (fast 500 Pässe, zum Vergleich: Aue rund 300) und machte wenige Fehler. Diese Spielstruktur war auch in den letzten Partien in Duisburg und München zu erkennen. Aue hatte, bis auf eine kurze Phase in der 2. Halbzeit, keine Szenen vor dem Bochumer Tor.

Die Abwehr des VfL war wenig gefordert. Maltritz machte eine richtig gute Partie. Ostrzolek und Kopplin sorgten zudem über außen auch für offensive Akzente. Beide müssen noch lernen, aber sind auf einem guten Weg. Dabrowski und Azaouagh erneut stark. Vogt und Johansson solide, allerdings mit dem einen oder anderen Fehler. Saglik war für mich wieder ein Ausfall. Aydin machte ein gutes erstes Spiel von Beginn an, muss aber naturgemäß auch noch Erfahrung sammeln. Die Einwechslungen waren natürlich Glücksgriffe. Bis zu den Toren war aber vor allem Tese ein Totalausfall. Er kam überhaupt nicht ins Spiel. Dank seiner Klasse und seinem unbändigem Willen aber mit dem entscheidenden Tor. Federico habe ich leider wieder nicht viel gesehen.

Der VfL spielte über das ganze Match sehr engagiert. Trotz der wenigen herausgespielten Torchancen (waren zwar offiziell 13:4, aber gefühlt waren es wenige gute), wurde konsequent weitergespielt und auf die Brechstange verzichtet. Das wurde belohnt. Bochum hatte bis zuletzt die Tugenden ausgespielt, die Aue in einigen Heimspielen kurz vor Schluss zu Punktgewinnen führte.

Zum Umfeld:
Knapp 12.000 Zuschauer sind zu wenig. Die Ostkurve war sehr gut gefüllt und die Stimmung bestens. Fans und Mannschaft haben sich wieder gefunden. Weder Gustl noch sonstwer sollten raus. Das tut gut.

Besonders mies fielen die Bochumer Fans wieder einmal auf. Gut zwei Dutzend Feuerzeuge gingen im Auer Strafraum nieder. Auch als der Schiri die Wurfgeschosse einsammelte und eine Durchsage veranlasste (gleichbedeutend mit Vermerk im Spielbericht und erneute Geldstrafe) flogen weitere Feuerzeuge. Dass sich dann noch einige "Fans" provozierend auf dem Zaum versammelte war die Krönung. Wäre zu wünschen, dass die Ordner mal dafür sorgen, dass der Zaun das bleibt, was er ist. Die Trennung zwischen Spielfeld und Zuschauern.

Anektödchen:
In der Halbzeit werkelte ein Bochumer Greenkeeper-Assistent in aller Seelenruhe im Fünf-Meter-Raum rum, während die Auer sich mittels Torschüssen warm machten. Das war so provokant, dass es mich wunderte, dass der Workaholicer nicht einfach abgeschossen wurde. Vielleicht hat das jemand gefilmt und auf YouTube eingestellt...

Bei wurde mit Skerdilaid Curri ein Spieler eingewechselt, der mir beim warmmachen schon auffiel und wo ich nicht sicher war, ob er wirklich ein richtiger Spieler ist oder etwas ein Trainerassistent, Betreuer oder der Busfahrer. Curri wurde in der 2. Halbzeit eingewechselt und wirkte, besonders neben Dabrowski bzw. seinen Mitspielern Lachheb und Paulus, etwas unterlegen. Curri misst 1,66 cm und könnte glatt Nationalspieler von Auenland sein. Seine gute Technik und seine Schussstärke waren übrigens auch sehr auffallend.

Auf der Rückfahrt konnte ich im Autoradio noch die Bewertungen bei Radio Bochum und dem WDR hören. Vor allem letztere lies mich vermuten, dass irgendwo noch ein anderes Spiel gelaufen war (langweiliges Spiel, Zuschauer eingeschlafen, Sontagsschuss,...).

Fazit: Zum Glück war ich beim richtigen Spiel...

Sonntag, 23. Januar 2011

Bettlermentalitäten

Wundern die Finanznachrichten einiger Profivereine eigentlich wirklich noch?

Während der Existenzkampf z.B. bei Arminia Bielefeld ja leicht zu erklären war, überrascht es jetzt, das sich die abgeschlagenen Ostwestfalen noch einmal verstärken können und sogar Spieler wie Baumjohann Jendrisek von Schalke 04 ein Thema waren.

Die Schlagzeilen bei Schalke 04 bedürfen eigentlich keiner weiteren Kommentierung. Zwar konnten durch die CL- und DFB-Pokal-Erfolge Zusatzeinnahmen erzielt werden, die werden durch das schwache Abschneiden in der Bundesliga aber gedrückt. Die Perspektive europäischer Wettbewerb in der nächsten Saison wackelt gehörig. So wurden die Fans mittels einer Anleihe um 11 Mio. Euro angepumpt. Der Verkauf von Manuel Neuer könnte noch einmal Geld in die Kasse spülen, aber dann kann bei Königsblau nicht mehr viel zu Geld gemacht werden.

Nachdem der Hamburger SV für seine Geldspritze in Höhe von 12,5 Mio. Euro eine Beteiligung an diversen Spielern veräußert hat, wird sich nun wohl auch Hertha BSC dieser Möglichkeit bedienen. Der mit 39 Mio. Euro verschuldete Hauptstadt-Klub soll eine "Spende" von 8 Mio. Euro zur Schuldentilgung erhalten haben.

Üblich geworden sind mittlerweile der Verkauf von zukünftigen Einnahmen, seien es Transfers, Zuschauer- oder sonstige Einnahmen. Diese Geschäftsmodelle beruhen immer auf der Hoffnung, dass es sportlich und damit auch finanziell wieder aufwärts geht. Das mag bei dem einen oder anderen Club sogar gut gehen, aber unter dem Strich können nicht alles Mannschaften aufsteigen oder sich für europäische Wettbewerbe qualifizieren. Umso erfreulicher, wenn Mainz und Hannover mit bescheideneren uns bodenständigeren Mitteln zwei derjenigen Plätze einnehmen, die andere dringend benötigen, um ihr Finanzharakiri weiter treiben zu können.

Freitag, 21. Januar 2011

Veilchen rasieren

Mit dem FC Erzgebirge Aue tritt am Montag die Mannschaft mit den gefühlten kürzesten Frisuren der Liga im revirpower-Stadion an. Die Veilchen bleiben bis dato weiterhin das Überraschungsteam der Liga und, bei einem ausstehenden Nachholspiel, Spiel mittendrin im Aufstiegsrennen.

Die Erzgebirgler überzeugen vor allem zu Hause, getragen vom leidenschaftlichen Publikum. Dort gab es 7 Siege (4 x 1:0, 2:1, 3:2 und 2:0) und ein Remis (1:1). Auswärts ist die Bilanz durchwachsen. Siegen in Paderborn, Bielefeld und Fürth stehen drei Remis (1860, Union, Karlsruhe) und drei gegentrefferreiche Niederlagen (2:3 in Osnabrück und zuletzt 0:6 in Cottbus und 0:2 bei Hertha) gegenüber.

Gegen Ingolstadt, Düsseldorf und zuletzt gegen Paderborn wurde in den letzten Minuten erfolgreich auf's gegnerische Tor gedrückt und so zusätzliche Punkte eingefahren. Das alles macht deutlich, wie der VfL den Gegner knacken kann:

Die spielerische Qualität ist beim VfL größer, das haben auch die beiden letzten Spiele gezeigt. Aber der VfL muss von Beginn an das Spiel an sich reißen und Aue kämpferisch Paroli bieten. Denn hier liegt wohl die größte Chance der Gäste: Über 90 Minuten dagegenhalten. Beide Teams haben in der Offensive Schwächen. Von Aues etatmäßigen Stürmern hat bisher nur Enrico Kern getroffen (2). Top-Scorer sind Mittelfeldspieler Marc Hensel (6) und Innenverteidiger Thomas Paulus (4). Bochum Siegesserie war u.a. den drei Auswärtstreffern von Christoph Dabrowski geschuldet. Die Stürmer konnten, trotz der Tore von Tese (2), Dedic (2), Saglik (1) und Aydin (1), nicht so recht überzeugen und kamen zu oft nicht zum Abschluss bzw. vergaben gute Chancen. Tese, Dedic und Saglik haben allesamt noch gewaltiges Potential nach oben.

In den drei Ligaspielen gegeneinander fiel jeweils nur ein Treffer. In Bochum sorgte van Hout vor fünf Jahren für den Sieg. Im Rückspiel traf Czyszczon (Ein Name, wie für's Glücksrad gemacht). Das Hinspiel in dieser Saison und der Treffer von Schlitte dürfte allen noch vor dem Sport1-Auge geläufig sein. Die damalige Startaufstellung (Heerwagen - Kopplin, Maltritz, Mavraj, Grote - Dabrowski, Maric - Federico, Toski - Saglik, Chong Tese) dürfte nur bedingt etwas mit der Elf gemeinsam haben, die Montag auflaufen wird. In der Abwehr stellt sich die Frage, ob Bönig oder Ostrzolek auflaufen wird. Im Sturm sind vielfältige Kombinationen mit Dedic, Tese, Aydin und Saglik denkbar, zumal ein Einsatz über 90 Minuten für Aydin und Tese noch zu viel sein könnten. Im Mittelfeld ist Azaouagh wieder gesetzt, Federicos Einsatz hingegen fraglich. Für ihn könnte Rzatkowski wieder dabei sein. Für eine offensivere Variante mit zwei Stürmern könnte Vogt im Mittelfeld (Azaouagh, Rzatkowski, Dabrowski und Johansson) geopfert werden.

Uns erwartet ein Schlüssel-Spiel, in dem alles möglich scheint. Ich bin sicher, Aue schießt kein Tor. Hoffen wir, dass der VfL trifft...

Mein Tipp: VfL Bochum - FC Erzgebirge Aue 3:0

Samstag, 15. Januar 2011

Mit dem Glück im Bunde und einem Finger an Platz 3

Fünf Siege in Folge und zumindest vorrübergehend punktgleich mit dem Tabellendritten. Da sollte sich fast jedes kritische Wort verbieten. Aber gerade wenn man nun wieder offen vom möglichen Wiederaufstieg sprechen will, sollten Schwächen und Defizite angesprochen werden. Denn sonst kann der momentane Höhenflug schlagartig in einem mächtigen Kater enden.

Mehr als ein Kater waren auch die Münchner Löwen am Samstag nicht. Ein maximal durchschnittlich starker Gegner. Der VfL war über weite Strecken des Spiels die bestimmende Mannschaft und lies, zehn Minuten ausgenommen, sehr wenig zu. 22:5 Torschüsse, 8:3 Ecken und 510 Pässe (davon 433 zu Mitspielern und 291 in der gegnerischen Hälfte) sprechen eine deutliche Sprache. Der Ball wurde sicher gespielt, das Mittelfeld stand sehr gut. Die Mannschaft wirkte sicher und selbtbewusst. Dennoch offenbarte der VfL, wo es noch mangelt:

Die mangelnde Kreativität im Sturm zeigte sich einmal mehr. Dedic findet kein Durchkommen und ist in 1:1 Situationen überfordert. Seine Abschlüsse sind zwar zielstrebig, aber selten gefährlich. Motivation und Laufbereitschaft sind ok, aber das alleine genügt nicht. Federicos knüpfte bei seiner Rückkehr nahtlos dort an, wo er beim 1:4 gegen Ingolstadt aufgehört hat. Dier Möglichkeiten, die sich ihm boten wurden kläglich vergeben. Einzig die Vorlage zum 3:1 war sehenswert. Deutlich besser hingegen Azaouagh und Aydin. Aza lies seine technischen und läuferischen Fähigkeiten öfter aufblitzen und war gefährlichster Bochumer. Aydin zeigte nach seiner Einwechslung Vollstreckerqualitäten und hatte sogar noch seinen zweiten Treffer auf dem Scheitel. Insgesamt konnte die Bochumer Offensive abermals nicht überzeugen. Und so war es nicht verwunderlich, dass wieder einmal Dabrowski die Dinger versenkt, welche die klassischen Stürmer versemmeln. Hier ist meiner Meinung nach noch ein Qualitätssprung, ggf. auch durch eine Neuverpflichtung, notwendig. Wenn Freier als Back-up für die Abwehr gedacht wird, dann sollte man schnellstens auch über ein Back-up für die Freier-Position nachdenken, zumal er mit einem möglichen Innenbandschaden wohl einige Zeit ausfallen wird.

In der Abwehr war es wieder einmal Anthar Yahia, der negativ auffiel. Waren seine beiden Kopfballchancen zu Spielbeginn zu ungenau, so leistete er sich in der Abwehr mehr als den einen Fehler, der zum zwischenzeitlichen Ausgleich führte. Der VfL sollte für die Innenverteidigung dringend eine langfristige Alternative auftun.

Der Sieg war verdient, die Bochumer Führungen mittels Elfmeter und Löwen-Platzverweis sowie Torwartfehler allerdings überaus glücklich. Wichtig ist, dass der VfL (anders als einige Aufstiegskonkurrenten) gut aus der Winterpause gekommen ist und die jungen Spieler (Ostrzolek, Vogt, Aydin) gute Partien ablieferten. Jetzt folgen mit Aue und Augsburg zwei richtige Gradmesser. Vier Punkte wären sensationell gut.

(Bild: Aydin trifft bei seinem Zweitligadebüt. / Quelle: vfl-bochum.de)

Dienstag, 11. Januar 2011

Die mit dem Löwen tanzen... - Rückrundenauftakt

Normalerweise empfindet man die Winterpause als eine quälend lange Zeit, für die extra Weihnachten und Silvester erfunden wurde, damit sie erträglich ist. In diesem Jahr fühle ich mich vor dem Rückrundestart, wie in einer englischen Woche. Zum Ritual der Winterpause gehören Transfers, Umstellungen, neue Ziele, markante Erkenntnisse aus Testspielen und Trainingslagern, Aufbruchstimmung, Euphorie und mächtig Druck auf dem Kessel. Das alles fehlt in diesem Winter. Beim VfL herrscht eine fast schon gespenstige Ruhe.

Dabei fing es am 20. Dezember gut an. Eine harmonische Mitgliederversammlung wählte mit DDR-Mehrheit einen neuen Aufsichtsrat. Der Verein kündigte die Trennung von einigen Spielern an und einige Jungs aus den eigenen Reihen wurden nach Kurzeinsätzen in der 2. Liga in den Profikader gehievt.

Für Maric, Grote und Mavraj wurden andere Vereine gefunden. Pfertzel mangels Abnehmer in die zweite Mannschaft degradiert. Aus dieser kommt Azaouagh zurück in den Zweitligakader. Philip Bönig ist nach seiner langen Verletzung wieder einsatzfähig, sein Pendant Matias Concha fällt hingegen bis Saisonende aus.

Spätestens jetzt kommen aber die Ungereimtheiten in der Personalpolitik zum Tragen. Ein notwendiger und schon mit dem Namen Steinhöfer unterfütterter Zugang im Abwehrbereich wurde verworfen. Stattdessen soll Freier notfalls in der Abwehr aushelfen. Die anfällige Innenverteidigung soll weiterhin auf Yahia und Maltritz bauen. Mit Fabian steht nur ein weiterer gelernter IV zur Verfügung. Eine Verletzung oder Sperre kann hierbei fatale Folgen haben. Der Bochumer Sturm bleibt, das hat auch die Vorbereitung gezeigt, maßgeblich auf Tese fixiert. Der weilte aber den Winter über in Japan und zu Rückrundenbeginn bei den Asien-Meisterschaften. Weder Dedic noch Saglik noch der junge und lange verletzte Aydin können die Lücke stopfen. Dennoch wurde auch hier auf eine potentielle Verstärkung verzichtet. In den 270 Vorbereitungsminuten gegen Fürth (1:2), Bucaspor (0:1) und Ankaragücu (0:0) gelang nur ein Elfmetertor. Eine nicht gerade überzeugende Ausbeute.

Die Entsorgung von perspektivlosen Spielern und der Einbau von jungen eigenen Kräften in allen Ehren. Dem VfL fehlen eine Struktur und auch eine Philosophie. Zu lange wurden in den letzten Jahren Dinge probiert, die einfach nicht zueinander passen und keinen Plan erkennen lassen. Die plötzliche Kehrtwendung und der "Jugendwahn" scheinen letztendlich auch Ergebnis von planlosen Reaktionen zu sein. Wollte man das Ziel "Aufstieg" nach den vier Siegen vor der Winterpause ernsthaft angehen, hätte es noch zwei bis drei kluger Ergänzungen bedurft. Diese hätten in der Winterpause in eine stark veränderte Mannschaft integriert werden müssen. Das ist ausgeblieben und so beschleicht mich das ungute Gefühl, dass der Aufstieg wieder in weite Ferne rückt. Besonders Hertha und Augsburg scheinen da zielstrebiger und einige Schritte weiter zu sein. So sind die Worte von Martin Meichelbeck realistischer, als viele glauben wollen. Auch Fürth hat mehr Potential nach oben als der VfL.

Mit rund sieben Veränderungen in der Mannschaft wird der VfL die Rückrunde beginnen. Die Truppe, die am ersten Spieltag den Sieg gegen die Löwen bejubelte (Bild), wird so nie wieder zusammen tanzen.

Aufstellung ................. vor. Aufstellung
Hinrunde vs. 1860 ...... Rückrunde vs. 1860
Heerwagen ......................... Luthe
Kopplin ............................... Bönig
Maltritz .............................. Maltritz
Mavraj ................................ Yahia
Grote .................................. Kopplin
Maric .................................. Johansson
Dabrowski .......................... Dabrowski
Federico ............................. Azaouagh
Toski .................................. Rzatkowski / Vogt
Saglik .................................. Saglik
Chong Tese ........................ Freier
Die Probleme der Münchner Löwen sind ganz anderer Art. Enorme und lizenzbedrohenden Finanzprobleme belasten den Verein. Die Unruhe in der Mannschaft ist spürbar und Spielerverkäufe bzw. -abgänge (zuletzt Cooper, Leitner) zwangsläufig. In der Vorbereitung unterlag 1860 zuletzt 2:3 gegen RW Erfurt. In den letzte sechs Ligaspielen gab es nur einen Sieg (1:0 gegen Hertha) und zuletzt eine Heimpleite gegen Paderborn.

Bochums Bilanz gegen 1860 ist beeindruckend. In Bochum wurde noch nie verloren. In München gewann der VfL einmal mehr (7) als die Löwen (6). Das einzige Remis in der Landeshauptstadt gab es 1980. Am 13.3.2006 war das letzte Aufeinandertreffen in der Allianz-Arena, welches Butscher zum Gästesieg entschied. Unvergessen die Bochumer Siegesserie in München zwischen 2000 und 2003 mit 5:0, 4:2 und 4:2.

Mein Tipp: 1860 München - VfL Bochum 0:0
Bild: vfl-bochum.de

Sonntag, 2. Januar 2011

Abwesend und Anwesend


Zum Rückrundenauftakt wird sich der Kader des VfL anders darstellen als zuvor.

Temporär fehlen wird Chong Tese. Der VfL stellte den Stürmer für die Asien-Meisterschaft frei, auch wenn er dies aufgrund der verspäteten Anforderung des Verbandes nicht gemusst hätte. Damit hat der Verein im Sinne des Spielers gehandelt, dem die Nationalmannschaft viel bedeutet. - Die Asienmeisterschaft geht vom 7. Jan. bis zum 29. Jan., Nordkorea hat das letzte Vorrundenspiel am 19. Januar gegen den Irak. Mit in der Gruppe sind noch die Vereinigten Arabischen Emirate und der Iran. Es ist nicht auszuschließen, dass Nordkorea den Sprung ins Viertelfinale schafft, wo dann vermutlich Südkorea oder Australien Gegner sein würden. Damit fehlt Tese dem VfL definitiv am 15. Jan. bei 1860. Am 24. Jan. gegen Aue könnte er wieder dabei sein, am 31. Jan. zum wichtigen Spiel in Augsburg könnte nur die Finalteilnahme Hindernisgrund sein. - Eine schwierige aber richtige Entscheidung des VfL. Hoffen wir, dass Tese gesund, fit und motiviert zurück kommt.

Den Verein wird im Winter neben Milos Maric (Lierse) auch Dennis Grote verlassen. Der 24-jährige, der seit 2002 beim VfL nicht glücklich geworden ist, wechselt zu RW Oberhausen und bekommt dort einen Vertrag bis Sommer 2012. Grote hat 69 Erstliga und 16 Zweitligaspiele für den VfL bestritten und erzielte dabei sieben Tore (davon jeweils zwei gegen die Bayern und den HSV).

Auf der Abwanderungsliste ganz oben steht auch Mergim Mavraj. Angeblich sind zwei Ligakonkurrenten an ihm interessiert. Der 24-jährige Deutsch-Albaner kam im Sommer 2007 von Darmstadt 98 zum VfL und spielte 65 Mal in der Liga für den VfL, davon 13 Mal in dieser Zweitligasaison. Er erzielte ein Tor (gegen Hansa Rostock). Mavraj hatte sich durch seine Leistung und sein Auftreten aus dem Kader gespielt und mehrfach die Fans gegen sich aufgebracht. Er gilt als "Stinkstiefel" in der Mannschaft. Sein Vertrag endet im Juni 2011.

Zudem wird ein Abnehmer für Marc Pfertzel (29) gesucht. Der Rechtsverteidiger kam ebenfalls 2007 (aus Livorno) zum VfL und bestritt 73 Erstligaspiele für den VfL, wobei er zwei Tore (Cottbus, Bielefeld) erzielte. In dieser Saison war er nur dreimal im Einsatz, zwei Mal ein- und einmal ausgewechselt. Auch sein Vertrag endet nach dieser Saison.

Eine Art Neuzugang wird beim VfL Mimoun Azaouagh sein. Nach dem Abstieg äußerte er sich sehr früh und sehr deutlich dahingehend, dass er den VfL verlassen will. Zuvor präsentierte er eine enorm schlechte Leistung, Einstellung und Außendarstellung. Im Sommer fand sich aber kein Verein, der ihn nehmen wollte, so dass er in der II. Mannschaft des VfL trainieren und spielen durfte. Dort kam der 28-jährige Deutsch-Marokkaner zu 12 Einsätzen und markierte vier Treffer. Für die erste Mannschaft war er zuvor 61 Mal im Einsatz und markierte sieben Treffer, darunter zwei gegen Schalke und den Doppelschlag gegen Gladbach am ersten Spieltag der vergangenen Saison. Sein Vertrag in Bochum läuft noch bis Ende der Saison 2011/2012.

"Neuzugang" ist auch Philipp Bönig, der sich vor dem ersten Spieltag am Ellebogen verletzte. Der 30-jährige hat bereits 172 (torlose) Spiele für dne VfL auf dem Buckel. Er wechselte 2003 von der Wedau an die Ruhr. Zuvor wurde er bei den Bayern geformt.

Als Neuzugang wird Markus Steinhöfer von Eintracht Frankfurt gehandelt. Der 24-jährige könnte sowohl auf der rechten Abwehrseite als auch im Mittelfeld spielen. In dieser Saison reichte es bei Frankfurt nur zu vier Einsätzen, bei denen er jeweils im letzten Spieldrittel ausgewechselt wurde. Der Vertrag in Frankfurt endet im Sommer. Trainer Funkel kennt den Spieler aus der gemeinsamen Zeit bei den Hessen, er spielte zuvor auch bei Hermann Gerlands Bayern-Amateuren. Ein Wechsel im Winter scheint sehr wahrscheinlich. Steinhöfer spielte 41-mal für Frankfurt in der Bundesliga, 15 Mal für Lautern in Liga zwei, 58 Mal für RB Salzburg und 57 Mal für Bayern II.

Weitere Transfers sind offiziell nicht vogesehen, maximal Zlatko Dedic könnte bei einem guten Angebot noch gehen. Der VfL setzt augenscheinlich auch auf die Verstärkte Integration der eigenen Nachwuchsspieler. Mit Marc Rzatkowski, Matthias Ostrzolek und Kevin Vogt spielten zuletzt drei Junge im Team. Ebenso durften Roman Prokoph und Patrick Fabian Zweitligaluft schnuppern. Andreas Luthe gehört mittlerweile zum Stamm des Kaders.

Bild: vfl-bochum.de