Dienstag, 8. Februar 2011

Über Oberhausen nach Müngersdorf

Zwei Fußballspiele an einem Wochenende live. Wenn man treusorgender Familienvater sein will, dann ist das nahezu unmöglich. Es sein denn, man etabliert schleichend eine Interpretation, die da lautet: Wenn ich zum VfL gehen, dann ist das kein Fußballgucken im eigentlichen Sinne sondern die unabänderliche und nunmehr 35 Jahre dauernde Treue zu einer ewigen Liebe. Da sollte es bei der Dame seines Herzens schnell klick machen. Zum Spiel 1.FC Köln – Bayern München gehe ich natürlich nicht wegen des Fußballs, sondern weil ich meinen alten Kumpel André ja schon lange nicht mehr gesehen habe und er als Bayern-Fan zufällig zwei Karten hat. Letztere Argumentationskette zieht nur bedingt und nur dann, wenn die anderen Kumpels, die Leverkusen-, Gladbach-, Hamburg-, St.-Pauli- und Hannover-Anhänger sind, nicht Schlange stehen. Dortmund-, Schalke und Köln-Kumpels hab ich übrigens nicht.

Und so überkam mich am Samstag auf dem Weg der Straßenbahnlinie 1 nach Köln-Müngersdorf wieder ein Gefühl, dass ich nur bei Spielen des Geißbockclubs bekomme. Spiele des Eff-Zäh sind für mich immer Spiele gegen den Eff-Zäh und ich habe davon schon über 100 gesehen. So sehr ich in meinen Inneren kölsch bin und so sehr in meinem Inneren auch gelegentlich Kölsch ist, diesen Verein mag ich nicht. „Da krisch Plack“ wie man hier zu sagen pflegt. Der Bochum-Fan aus Bochum dürfte so ein Gefühl kennen, wenn er die B1 entlang muss oder mit der Straßenbahn nach Nord-Westen fährt.

Bereits in den Siebzigern (bevor Leverkusen erstklassig wurde) hatte mein Vater mich regelmäßig nach Köln mitgenommen und ich erinnere mich geradezu traumatisch an mein erstes Live-Spiel des VfL am 6. Mai 1977. Es endete 1:6 und als Jupp Kaczor in der 85. Minute traf, waren wir schon außerhalb des Stadions auf dem Weg zum Auto… - Immer wenn ich also in Müngersdorf aus der überfüllten Straßenbahn steige, in der ich zuvor mehrfach hören dufte, dass der Eff-Zäh mit einem Sieg ja „secher“ schon wieder im internationalen Wettbewerb sein dürfte, erinnere ich mich an mein Premieren-Desaster und die folgenden achtzehn Niederlagen und fünf Remis des VfL an der unheiligen Stätte, die ich fast alle miterleben durfte. Da war auch der einzige Sieg 2004 nicht mehr als ein kurzer Trost. Die traurigste Auswärtsbilanz die ich habe und das 0:2 im letzten Jahr war das schlimmste Erlebnis von allen. Jedes Mal, wenn ich mit dem VfL nach Köln fahre, fühle ich mich eine Sau auf dem Weg zur Schlachtbank. Nur, dass ich freiwillig unterwegs bin. Und nach dem Spiel, wenn die Menschen in der Straßenbahn sich nach dem ungefährdeten Sieg vollkommen sicher sind, dass der Eff-Zäh im kommenden Jahr „ widder de Nummer eins am Ring es“, fühle ich mich wie eine Sau nach der Schlachtbank.

Am Samstag gab es wieder ein Update vieler Köln-Emotionen, aber das ist eine andere Geschichte, die aber die Bayern-Fans besser erzählen können. Wichtiger war da der Sonntag und allen Vorwarnungen Friedhelm Funkels zum Trotz fuhr ich mit einer 1848%igen Siegessicherheit über die A1 und A43 nach Bochum. Das sollte nicht nur ein erneuter Sieg auf dem Weg zurück in Liga eins werden sondern ein Schritt auf dem Weg zur Revanche in Müngersdorf. Ich will mit dieser Truppe, die jetzt wieder so geil und erfolgreich spielt, mit der man sich identifizieren kann und deren Trikot man dann doch noch gekauft hat (na gut, im Schlussverkauf) zurück in Liga eins. Ich will den West-Hernern was versauen, und die Lüdenscheider ärgern. Ich will vor 69.900 in München spielen und nicht vor 9.900, Commerzbank- statt Volksbank-Arena und ich will in Köln gewinnen!

Am Sonntag haben unsere Jungs wieder was dafür getan, dass meine Sehnsüchte bald erfüllt werden können. Es war zwar kein überragendes Spiel mit vielen Fehlern und wenig Kreativität, aber es wurde bis zum Ende alles an diesem Tag mögliche versucht und der Siegeswille letztendlich belohnt. Das zwei Traumtore den achten Dreier in Folge sicherten Sieg war ebenso fantastisch, wie der Auftritt der beiden Torschützen, die zusammen mit Azaouagh eine enorme Bereicherung für das Team sind. Es macht wieder richtig Spaß zuzuschauen und auch die Entwicklung der jungen Spieler zu sehen. Mit einer guten Leistung in Bielefeld dürften wir dann auch den Zuschauerrekord von Sonntag im Freitagsspiel gegen Düsseldorf noch einmal deutlich steigern und ein herrlich volles Stadion im Flutlicht erleben.

Und dann ziehen wir entweder in der Relegation oder in der nächsten Saison dem Geißbock das Fell über die Ohren!

Dies ist ein Beitrag für die Westline-VfL-Kolumne.

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