Dienstag, 22. März 2011

Was ist der Plan?

Die Geschichte des gestrigen Abends ist schnell erzählt. Der VfL hat in einem schlechten Spiel vor 16.558 Zuschauer (Netto) einen glänzenden Mimoun Azaouagh in seinen Reihen, eine Torchance, gewinnt durch eine schöne Vollendung dieser durch den gerade eingewechselten Federico mit 1:0, setzt seine Serie mit unglaublich vielen Spielen ohne Niederlage fort, schafft sich sogar ein kleines Polster auf die Verfolger und dürfte deren Zahl gestern auf zwei reduziert haben. - So weit so gut.
Da es nicht viel mehr davon zu berichten gibt, sei ein Blick auf das Geschehen außerhalb des Platzes gelegt, denn im Schatten der schlagzeilenträchtigen Veränderungen bei den Bayern, in Schalke, Hamburg, Wolfsburg, Leverkusen und bereits vor Wochen in Stuttgart, Hoffenheim, Köln, Mönchengladbach und sonstwo, gab es letzte Woche auch personelle Entscheidungen im Nachwuchsbereich des VfL Bochum, die für viel Wirbel und Unmut sorgen. Während über die Verabschiedung von VfL-Urgestein Frank Heinemann vor allem emotional gegrummelt wird und das Aus für den Nachwuchsleiter Jürgen Heipertz von außenstehenden Personen fachlich kaum bewertet werden kann, erregt besonders die Trennung von U23-Trainer Nico Michaty viele Gemüter. Die drei Betroffenen beklagen zudem die Art und Weise, wie mit ihnen umgegangen und die Trennung bekannt gegeben wurde. Dabei schien der im Leitbild des VfL formulierten familiären Umgang und die Fairness weniger beherzigt worden sein, als die konsequente Verfolgung von sportlichen und wirtschaftlichen Zielen, die ebenfalls im Leitbild festgeschrieben sind.

Zahlreiche Spieler der II. Mannschaft sowie die Jungprofis Roman Prokoph, Patrick Fabian, Marc Rzatkowski, Mirkan Aydin und Mimoun Azaouagh, der ja eine Halbserie in der Regionalligatruppe mitwirken durfte, äußern sich sehr positiv über Nico Michaty und seine Arbeit. Die sportliche Bilanz ist, vor allem vor dem Hintergrund des Aderlasses der II. Mannschaft in Richtung Zeitligateam, ebenso gut, wie die Erfolge bei eben dieser Heranführung von jungen Spielern an die erste Mannschaft.

Warum also die Trennung von einem erfolgreichen, respektierten, beliebten und dem Verein verbundenen Trainer? Aufsichtsratsvorsitzender Ernst-Otto Stüber äußert sich dazu nur unscharf. In einem Interview begründete er die Entscheidungen mit der Formulierung "..aber wir wollten auch hier eine Veränderung vornehmen, um vielleicht in Zukunft fußballerisch noch spezifischer im Nachwuchsbereich arbeiten zu können." (Quelle: reviersport). Alleine das Wort "vielleicht" verursacht gedankliche Schluckbeschwerden, was er danach sagt verstehe ich einfach nur nicht.

Und was will Ernst-Otto Stüber in einem weiteren Interview mit vfl-bochum.de zum Ausdruck bringen: "Der Aufsichtsrat ist laut Satzung ein kontrollierendes Gremium, das die Geschäftsführung des Vereins überwacht. Konkret gestaltet sich das folgendermaßen: Der Vorstand, der laut Definition die Geschäftsführung inne hat, bereitet Entscheidungen vor, die wir im Aufsichtsrat dann beschließen, oder eben nicht. Es kann gar nicht unsere Aufgabe sein, ein umfassendes Konzept zu erstellen. Das ist Sache des Vorstands in Zusammenarbeit mit der relevanten Abteilung des Vereins. Wobei ich natürlich nicht ausschließen möchte, dass durch den regen Austausch von Aufsichtsrat und Vorstand auch unsere Vorstellungen in das Konzept mit eingeflossen sind. Auch hier gilt die Fußball-Regel: Erfolge werden im Team errungen."

So, so. Erst definiert der AR-Vorsitzende klar, wie die Aufgabenverteilung ist, um anschließend zu erklären, dass es dann aber doch ganz anders läuft. Die als Fußballregel missbrauchte Phrasenschwein-Floskel vom Erfolg im Team Schluss setzt dem allen noch ein Sahnehäubchen obendrauf.
Denn die brennende Frage rund ums revirpower-Stadion ist nun: Wer erstellt beim VfL sportliche Konzepte, wer bewertet diese und wer setzt sie um? Gestern, heute und auch in Zukunft. Richtig wäre es, wenn dies der Vorstand Sport mit seinen führenden Mitarbeitern macht. Aber gerade hier ist wohl die im Moment wichtigste und umstrittenste Personalie verankert. Muss nicht erst über die Verantwortlichkeit im Vorstand entschieden werden, um durch diesen die weitere sportliche und personelle Ausrichtung anzutreiben?

Während Thomas Ernst aber derzeit alles richtig machen zu scheint, angefangen von den Transfers über Vertragsverlängerungen bis hin zu den neuen Verträgen mit dem Namensgeber des Stadions und dem Hauptsponsor sowie dem Ausbau und der Vermarktung des VIP-Bereiches, wird offen über sein baldiges Ende beim VfL gesprochen.

Im Aufsichtsrat sitzen keine Personen mit tiefgreifendem Fußballsachverstand. Dazu haben die Sportfreunde sich selber bekannt. Sie können die Konzepte nicht erstellen und sie in aller Konsequenz auch nur eingeschränkt bewerten. Man scheint beim VfL auf Friedhelm Funkel zu setzen, wobei die potentielle Kurzlebigkeit eines Trainerdaseins mehr als deutlich macht, dass sich der Trainer einem vorhandenen Konzept unterzuordnen und dieses während seiner Tätigkeit umzusetzen und ggf. weiter zu entwickeln hat. Wenn sich ein Verein immer wieder neuen Konzepten unterordnet, die ein neuer Trainer mitbringt, dann bleiben nur Unruhe und ein ineffizientes Lechzen nach kurzfristigen Erfolgen. Dies merken aktuell viele Vereine der 1. und 2. Bundesliga. Bleibt zu hoffen, dass dem VfL, unabhängig vom Aufstieg oder Nichtaufstieg, weiterhin ruhige Zeiten ins Haus stehen, in denen ein vorhandenes Konzept vernünftig umgesetzt werden kann.

Es wäre wünschenswert, wenn zum Mitgliederforum am 9. April der Verein ein solches klares und schlüssiges Konzept und die Personen die dahinter stehen präsentiert.

Text für die VfL-Kolumne bei westline.de
Bild: vfl-bochum.de

Kommentare:

  1. Hallo, interessante Aspekte,..aber ein kleiner Hinweis: Der AR-Vorsitzende heisst Stüber nicht Stüver.
    Ansonsten finde ich Deinen Blog immer sehr lesenswert. Danke dafür!
    Viele Grüße, Marcus (ebenfalls mit c)

    AntwortenLöschen
  2. Danke für den Hinweis. Natürlich Stüber. Hatte ich vielleicht Uwe Stöver noch im Hinterkopf ???

    AntwortenLöschen
  3. Wahrscheinlich ;-)...der alte Haudegen
    Gruß Marcus

    AntwortenLöschen