Mittwoch, 20. April 2011

Gewinn durch Verzicht

Gewinn durch Verzicht  ist eine passende Fastenzeit-Losung für den VfL in seiner momentanen Situation. Die Jungs haben es binnen 4 x 24 Stunden geschafft, eine gute Ausgangsposition im Aufstiegsrennen zunichte zu machen und stehen nun sogar kurz davor, den bereits sicher geglaubten 3. Tabellenplatz zu verlieren. Statt zu Hertha und Augsburg aufzuschließen, sind diese beiden Teams enteilt und dürfen für die erste Liga planen. Statt sieben Punkte auf Rang 4 ist es nur noch einer auf Greuther Fürth, die mit 1860, Bielefeld, Oberhausen und Düsseldorf ein von der Papierform her ebenso leichtes Restprogramm haben wie der VfL. Allerdings dürfte die Stimmung bei den Franken deutlich besser sein als beim VfL, zumal Trainer Büskens seinen Vertrag unabhängig von der Ligazugehörigkeit der Kleeblätter verlängert hat.
Doch schauen wir auf uns und den vor uns liegenden steinigen Weg. Was der VfL in den beiden letzten Spielen bot, war eine Zuspitzung des bisherigen Mittelmaßes. Kaum Torchancen, kein Druck und kein kluger Spielaufbau wurden diesmal vom Gegner ausgenutzt. Da auch die kreativen Einzelaktionen beim VfL komplett fehlten und sich das Bochumer Mittelfeld in atemberaubender Harmlosigkeit präsentierte, waren die beiden zu-Null-Niederlagen die logische und verdiente Konsequenz. Das sich in dieser wichtigen Phase gleich drei Spieler (Ostrzolek, Saglik, Yahia) Sperren eingehandelt haben, unterstreicht in meinen Augen die Hilflosigkeit der Mannschaft, die nicht in der Lage ist, auf dem Platz das Heft in die Hand zu nehmen und ein Spiel an sich zu reißen. Mit dieser Qualität und Einstellungen werden auch die nächsten Spiele, die allesamt gewonnen werden müssen, eine zu hohe Hürde sein.

Es stellt sich schon die Frage, wie sich einige Spieler in Bochum entwickelt haben. Ist es für eine Bewertung der jungen Eigengewächse Vogt und Ostrzolek noch zu früh, so muss doch bilanziert werden, dass Kopplins Fehlerquote im Spiel nach vorne zu hoch bleibt und dass Federico, Saglik, Korkmaz und Tese bei der Entwicklung ihren individuellen Leistungen und in ihrer mannschaftlichen Einbindung stagnieren. Zwar hat jeder von ihnen gelegentliche geniale Momente, aber es genügt einfach nicht, auf diese Momente zu hoffen und zu warten. Dabrowski und Johansson setzen derweil auch keine Akzente, beim Schweden war dies noch nie der Fall, der Captain hingegen ist nach einem Zwischenhoch derzeit wieder abgetaucht.
So können es am Donnerstag Passionsfestspiele des VfL im stock-katholischen Paderborn werden, wenn sich die Mannschaft nicht am Riemen reißt und über 93 Minuten vollen Einsatz bringt und befreit aufspielt. Die Qualität des Gegners sollte es zulassen. Gewinn ist Verzicht: Vielleicht sollten Trainer Funkel und sein Team mal auf die Sicherheitsaufstellung verzichten und Dedic und ggf. sogar Rzatkowski (im Wechsel mit Freier) neben bzw. hinter Aydin stürmen lassen. Wenn der VfL wieder ins bekannte Ballgeschieben verfällt, dürfte auch die Stimmung auf den Rängen wieder umschlagen und die Mannschaft zunehmend verunsichern. Es geht um viel am Donnerstag, um nicht weniger als eine Vorentscheidung im Rennen um die Relegationsspiele.

Mein Tipp: SC Paderborn - VfL Bochum 1:3

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