Dienstag, 3. Mai 2011

Jung und Alt

Slawo Freier
Spiele 1. & 2. Liga: 301
Beim VfL seit 1.7.2008
und 1996-2004
Geb.: 26.7.1979
Das eine vorab: Ich bin vollkommen überzeugt, dass der VfL die beiden ausstehenden Spiele gewinnt. Der Sieg gegen Union Berlin war ein weiterer Wendepunkt in dieser Saison. Diesmal zum Glück ein Wendepunkt nach oben. Konnte man nach den drei torlosen Auftritten (und auch einigen schlechten aber erfolgreichen davor) langsam verzweifeln, so sollte jetzt wieder Zuversicht herrschen. Die Mannschaft hat sich aus dieser schwierigen Situation befreit. Azaough, Aydin und Freier haben die Mannschaft mitgerissen. Das Team kann mit Selbstvertrauen in den Schlussspurt gehen. Und den wird sie auch erfolgreich bestehen. Wie es in einer möglichen Relegation aussieht, kann man sicherlich noch nicht einschätzen. Aber die Zustände in Frankfurt lassen Parallelen zu unserer letzten Saison erkennen. Und auch Köln und Gladbach sind nicht gerade das, was man eine berechenbare Größe nennt. Alles bleibt möglich.

Der große Umbruch beim VfL wurde nach der Pleitenserie in der Hinrunde eingeläutet. Im Nachhinein betrachtet kann man schon fast dankbar sein, dass es einen konkreten Anlass gab, um die Veränderungen zu forcieren. Man kann zu den einzelnen aktuellen Personalentscheidungen stehen wie man will, aber es wird deutlich, dass es beim VfL einen Plan gibt. Die Vertragsverlängerungen mit den jungen Spielern ist das Zeichen, was sich viele beim VfL gewünscht haben. Auf Jungs aus den eigenen Reihen setzen. Klar ist, dass Spieler wie Ostrzolek, Vogt, Kopplin, Luthe, Aydin, Rzatkowski, Fabian noch viel Lehrgeld zahlen müssen, in der ersten Bundesliga vielleicht sogar mehr, als ein Club wie Bochum verkraften kann. Aber was ist die Alternative? Der Kicker titelt über den HSV: „Hamburgs Umbruch findet ohne echte Hamburger statt“ Hier ist Zorn und Chaos vorprogrammiert. Eine Mannschaft ohne Seele. wenn sich so etwas wieder in Bochum einstellt, dann ist der Verein tot. Und deshalb muss den jungen Spieler immer wieder der Rücken gestärkt werden. Kevin Vogt ist in den letzten Spielen nicht besonders gut gewesen. Gegen Union Berlin hatte er zu Beginn einige krasse Fehler. Aber genau dann sind wir Fans gefordert: Kevin, Du bist nicht allein zu Hause. Lass den Kopf nicht hängen, wir bauen Dich wieder auf.

Marcel Maltritz
Spiele 1. & 2. Liga: 317
Beim VfL seit 1.7.2004
Geb.: 2.10.1978
Und auch, wenn es vielen Anhängern noch schwer fällt. Marcel Maltritz hat mal wieder den Zuspruch des Publikums verdient. Er war zuletzt in vielen Spielen eine Bank in der Abwehr.
Überhaupt spielen mit Dabrowski, Freier und Maltritz drei ältere Semester eine wichtige Rolle beim VfL. Allesamt sind sie tief mit dem VfL verwurzelt und haben sich auch in den verschiedenen schwierigen Situation gut verhalten (von wenigen unglücklichen Äußerungen mal abgesehen). Selbst wenn die Leistung bei ihnen nicht immer CL-Niveau erreicht, können sie den jungen Spielern bei ihrer Entwicklung ungemein helfen. Besonders die Bescheidenheit und Disziplin von Freier hat meine höchste Anerkennung. Steckt nie auf, schaut immer nach vorne.

Dass unsere Nachbarn mit dem zweitjüngsten Kader der Liga (und zwei Jahre jünger als der Kader des VfL) überzeugend Deutscher Meister geworden ist, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass erfahrene Spieler wichtig sind. Unsere drei Recken blicken zusammen auf fast 1.000 Spiele in der 1. und 2. Bundesliga und 23 Jahre beim VfL zurück. Solche Spieler werden bei einer jungen Mannschaft benötigt und erst Recht dann, wenn der Verein auf  Nachwuchs und Kontinuität bauen will und nicht auf eine 2-Jahres-Rotation von mittelmäßigen Fußballtouristen setzt. Es gibt keine allgemeingültige mathematische Regel, wie eine Mannschaft altersmäßig zusammengestellt werden sollte, denn es ist viel zu viel von der Qualität und dem Charakter der einzelnen Spieler, vom Trainer und vom Umfeld abhängig. Im Moment haben wir keinen schlechten Mix. Ich hoffe, dass dieser im Sommer noch weiter konsequent verbessert wird. Wohl wissend, dass dies unter den gegebenen Voraussetzungen nicht einfach sein wird und auch etwas Glück braucht.

Christoph Dabrowski
Spiele 1. & 2. Liga: 331
Beim VfL seit 1.7.2006
Geb.: 1.7.1978
Vollkommen unverständlich ist mir hingegen, wie sich einige Personen in den Internet-Foren, speziell hier bei Westline, äußern. Da ist alles schlecht, was gemacht oder eben nicht gemacht wird. Egal ob ein Vertrag verlängert wird oder nicht, der Zeitpunkt ist immer entweder zu früh oder zu spät. Verlässt ein Spieler den Verein, heißt es, er wurde vergrault und somit eine Ablösesumme verspielt. Wird er verkauft, ist die Ablösesumme grundsätzlich zu niedrig und der VfL über den Tisch gezogen worden. Wird einer geholt, ist die Vertragslaufzeit grundsätzlich zu lang oder zu kurz. Es wird (ernsthaft?) die Frage aufgeworfen, ob das Stadion im Falle einer Relegation voll werden wird. Die Stimmung ist oft von so krankhaftem Beschimpfungsdrang getrieben, dass man sich nur noch an den Kopf fassen kann. Pyroschwachköpfe und Feuerzeugwerfer geben Wochenende für Wochenende dann noch ihren besonderen Teil dazu, so dass man sich fragt, was mit den Leuten los ist, die doch angeblich so sehr am Verein hängen und nur das Beste für ihn wollen.

Wir sollten uns wieder mehr darauf orientieren, das Gute hervor zu stellen und nicht überall krampfhaft was Schlechtes zu suchen. Zweifellos bedarf es noch einige richtiger Entscheidungen und Erfolge mehr, um wieder rundum zufrieden sein zu können. Aber ich traue dem VfL zu, dass er es schafft. Dass wir es schaffen. Und der FSV Frankfurt, der ist auswärts vielleicht auch mal für einen Überraschung gut…

Artikel für Westline.
Bilder: vfl-bochum.de

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