Dienstag, 28. Juni 2011

Sommerpause?

Das war ja gefühlt gar nichts in diesem Jahr. Meine Emotionen nach den Relegationsspielen habe ich in gerade zwei Wochen Italienurlaub runtergefahren, da greift sich die neue Saison schon meinen Terminkalender, meine Geldbörse (Trikot und Dauerkarte), meine Seele und meine Gedanken. Dabei verleiten die getätigten und noch zu erwartenden Veränderungen im Mannschaftskader bisher nicht gerade dazu, sich intensive Gedanken zu machen, denn sie sind weder sonderlich umfänglich noch besonders spannend. Keine Rückkehr von alten Haudegen wie Gekas oder Sestak in Sicht. Zum Glück aber auch keine Spieler aus unteren italienischen, slowenischen oder österreichischen Ligen. Spartransfers waren alleine schon aus finanziellen Gründen zu erwarten gewesen, aber auch die Entwicklung der Mannschaft im letzten Jahr erforderte keinen erneuten Radikalumbau sondern punktuelle Ergänzungen und natürlich den alljährlichen Versuch, einen unentdeckten Roh-Diamanten zu finden, den man in zwei Jahren für 35 Mio. Euro nach Madrid oder für 2 Mio. Euro nach Leverkusen transferieren kann. Der Vorteil der zurückhaltenden Transfers ist, dass die Zuschauer die Sympathien zu diesem Team nahtlos mit in die neue Saison nehmen können. Alleine die Frage nach der Sturmbesetzung könnte noch spannend werden, da nicht nur Sestak und Saglik endgültig weg sind, sondern es auch Interessenten für Dedic und Tese zu geben scheint. Wenn auch diese beiden dem VfL den Rücken kehren, muss zwingend nachgebessert werden, um Torgefahr und Torausbeute zu erhöhen. Aktuell und gerüchteweise ist ja ein gewisser Takashi Inui im Gespräch. Dann hätten wir zwei Stäbchen-Bomber im Kader und könnten die japanische VfL-Homepage wieder aktivieren…

Womit ich schon bei den, mit größerer Spannung erwarteten, Spielansetzungen bin, die ich bereits im Kalender, wohlgemerkt mit Bleistift, markiert habe. In der kommenden Saison sollte uns nicht wieder die Montagsverschwörung der DFL treffen. Ganze neun Partien durften wir uns in der letzten Spielzeit zu Wochenbeginn reinziehen und uns besonders über die Ansetzungen in Berlin ärgern. 2011/12 wird es entspannter zugehen, weil mit Rostock, Dresden, Eintracht Frankfurt und St. Pauli Vereine dabei sind, die bundesweit mehr Interessenten an einem Montagabend hinter dem Ofen hervorlocken als Osnabrück, Oberhausen und Augsburg. Die Anstoßzeiten am Wochenende für Heimspiele und freitags für Auswärtsspiele bleiben aber immer noch Ärgernisse, an die ich mich nicht gewöhnen will und die alleine schon Gründe genug sind, die Liga wieder zu verlassen. Auf dem Weg zu diesem Ziel wird die Auftaktpartie in Düsseldorf (ups, an einem Montag) direkt ein Kracher sein, denn auch die Fortunen streben nach oben und werden vom Publikum getragen werden. Die Spitze wird nach meiner vorläufigen Sommerpausen-Analyse, die ich fachmännisch unter dem Sonnenschirm an der Adria gemacht habe, nächste Saison deutlich breiter besetzt sein. Pokalfinalist Duisburg, Düsseldorf, die ewigen Fürther, vielleicht die frisch-gesponserten Münchner Löwen und naturgemäß die beiden Absteiger dürften die gleichen Ambitionen wie wir haben. Dazu noch die unvermeidliche Überraschungsmannschaft, vorzugsweise aus dem Osten der Republik. Eine Serie wie zu Beginn der letzten Spielzeit ist daher verboten und Spannung ist ebenso garantiert, wie bei der Frage, wie und wann man nach dem ersten Pokalspiel wieder nach Hause kommt. Die Anstoßzeit von 19:30 Uhr ist eine Herausforderung, vor der Bahnfahrer auf dem Weg zum Finale in Berlin erst einmal kapitulieren müssen. Aber auf die Auswärtsfahrten an die Ostsee, auf den Kiez, nach Sachsenhausen, Fröttmaning, Köpenick, ins Elbflorenz, an die längste Theke der Welt und zum 67er-Meister freue ich mich: Tolle Touren auf dem Weg ins Glück.

In den vergangenen Tagen hatte ich auch etwas Gelegenheit, in die Niederungen des deutschen Fußballs zu schauen. Was tut sich bei den Traditionalisten? Und siehe da, in diesem Jahr sind einige Vereine, die zum Teil lange verschwunden waren, wieder auf dem Weg nach oben. Preussen Münster und Darmstadt 98 in die 3. Liga; Fortuna Köln, RW Essen und Waldhof Mannheim in die Regionalligen; Bayer Uerdingen und Viktoria Köln in die NRW-Liga. Das ist sicherlich für alle Gegner des „modernen Fußballs“ und der „Retortenvereine“ ebenso Balsam auf die Seele, wie die jüngsten Dämpfer für Volkswagen, Red-Bull und den 1899ern. Hoffentlich ist bei den jetzt wieder aufstrebenden Teams diesmal der Aufstieg nicht wieder zugleich der erste Schritt in Richtung Abgesang und Insolvenz…

Doch zurück nach Bochum, wo in der Pause vor dem Sommer auch ein paar bedeutende Kapitel beim VfL zu Ende gingen. Dem Tod von Legende Ottokar Wüst wurden schon viele Zeilen gewidmet. Heiko Herrlich, der vollends in der Versenkung verschwunden war, taucht nun als Nachfolger von Klaus Augenthaler (!) bei der SpVgg Unterhaching auf und wir dürfen auf die ersten Schlagzeilen (sicherlich in der BILD) gespannt sein. Auch die Zelte von Thomas Ernst wurden in Bochum bekanntermaßen abgebrochen. Aufsichtsrat, Vorstand, Jugendbereich, Trainer und nicht wenige Spieler sind ausgetauscht worden. Damit ist nicht nur das Stadion sondern auch der Verein binnen weniger Monate modernisiert bzw. umgekrempelt worden. Bemerkenswert. Und wie es scheint, hat es, in Kombination mit den Ergebnissen auf dem Platz, dem Umfeld des Vereines ziemlich gut getan. Und auch die ersten Ergebnisse der Vorbereitungsspiele geben derzeit keinen Anlass, meine Vorfreude auf den Start und die Saison zu trüben. Weiter so.

So sind es tatsächlich nur noch lächerliche 2½ Wochen bis zum Anpfiff der ersten zweiten Zweitligasaison in Folge. Und ich brauche weder das Kicker-Sonderheft, in dem eh nur noch das steht, was ich eh schon weiß, noch die Frauen-Fußball-WM, um die VfL-lose Zeit zu überbrücken. Sommerpause 2011? Totalausfall!

Beitrag für Westline
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Kommentare:

  1. Da müsste aber die Abstinenz schon arg weit fortgeschritten sein, wenn man sich jetzt auch noch die Frauen-WM reinzieht um die Entzugserscheinungen zu mildern. Das überlassen wir doch dann lieber den temporären Event-Public-Viewing-"Fans".

    Ich wundere mich im übrigen auch wie wenig spürbar die Sommerpause ist. Wahrscheinlich hatte ich von der letzten Saison auch ordentlich die Schnauze voll.

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  2. @Zechbauer:
    Ist das nicht eine etwas eingeschränkte Sichtweise auf die Menschen, die sich Frauenfußball anschauen?

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  3. absolut. Aber es ist meine - daher kann ich mir diese Einschränkung erlauben.

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  4. Kannst Du. Und bist Dir gewiss auch im Klaren darüber, dass es Leute gibt, die die Kategorisierung als temporäre Event-Public-Viewing-"Fans" als (versuchte) Schmähung einordnen.

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