Dienstag, 26. Juli 2011

Come on Aydin!

Bereits zu Beginn des Spiels gegen den FSV Frankfurt schwirrte mir das Lied der Dexy’s Midnight Runners durch den Kopf, mit leicht verändertem Text: „Come on Aydin“. Und bis zur 88. Minute sollte mich dieser fromme Wunsch begleiten. Was ist los mit unserem Stürmer, der in der letzten Rückrunde und in der Vorbereitung Ausrufezeichen setzte? Schon in Düsseldorf hing Aydin völlig in der Luft und auch beim Heimdebüt war er kaum im Spiel. Überhaupt war die Abteilung kreative Offensive beim VfL ein Ausfall. Ein Blick auf die Aufstellung lässt die Gründe erahnen.

Mit drei Sechsern ist es schwer, Druck durch die Mitte aufzubauen, auch wenn die drei, alles voran Dabrowski, gelegentlich am Frankfurter Strafraum auftauchten, dort aber so agierten, wie man es von Sechsern erwarten muss. Mit Kefkir und Freier waren zwar zwei agile Außen auf dem Platz, aber das war schlichtweg zu wenig. Dem gebürtigen Wuppertaler mit der Nummer 17 muss naturgemäß noch Zeit zugestanden werden, sich in der Liga zurecht zu finden und Freier,… ach Paul… Man sollte meinen, er könnte eine Partie gegen einen Zweitligaabstiegskampfkandidaten routiniert abspielen. Doch er scheint, trotz Sommerhaarschnitt, den Kopf nicht frei zu haben. Bei allem Elan und dem größten Engagement  aller Spieler auf dem Platz hat er in letzter Konsequenz mit tödlicher Sicherheit immer genau das Falsche gemacht. Versucht zu passen, wenn er schießen sollte. Versucht zu dribbeln, wenn er passen sollte. Versucht gefoult zu werden, wenn er dribbeln sollte.  Ich gestehe öffentlich ein, dass ich ein heimlicher Fan von Freier bin, seiner Bescheidenheit, seinem Willen und seiner Einsatzbereitschaft. Ich habe mir dieses Jahr auch zum ersten Mal seit 15 Jahren ein Trikot mit einem Spielernamen zugelegt (bevor Ihr lange grübelt: Es war damals Peter Peschel). Aber was Slavo in den letzten beiden Spielen gezeigt hat, verursachte körperliche Schmerzen bei mir. Ich wünsche mir und ihm, dass er bald mal ein beFREIERendes Tor schießt. 

Was bleibt ist die Einsamkeit des Mirkan A. Trainerfuchs Funkel wird wieder eine goldene Hand bei den Einwechslungen zugesprochen. Aber ein glückliches Händchen bei der Startaufstellung wäre ja auch nicht zu verschmähen. Was wäre gewesen, wenn von Beginn an Ginczek oder Federico auf dem Platz gewesen wären? Auf jeden Fall wäre Aydin nicht so einsam und das Bochumer Spiel nicht so berechenbar gewesen. Ginczek macht, ebenso wie Aydin, auch mal den Weg aus dem Strafraum heraus und kann sich die Bälle holen. Wenn beide so rotieren, wird’s schwerer für den Gegner und es ergeben sich Lücken für die Mittelfeldspieler. Federico kann auf der sogenannten 10er-Position mit den Außen und dem Stürmer kombinieren. Auch das dürfte es für den Gegner nicht einfache machen. Wir haben Spieler mit Offensivqualitäten und die sind nicht zwangsläufig auf der Bank am besten aufgehoben. Mit Takashi Inui scheint nun noch eine weitere Sonne für das Bochumer Mittelfeld aufzugehen. Und noch eines sollte man nicht unterschätzen: Ein Offensivspiel würde auch die Zuschauer mitreißen und noch ein paar zusätzliche Prozent aus den Spielern rausholen. Partien wie gegen Frankfurt werden, auch wenn sie letztendlich 1:0 enden, auf Dauer nicht mehr als die traurigen 12.000 Zuschauer von Freitag ins Stadion locken. Man möge Funkel die Worte des Sportvorstandes aus dem letzten Stadionmagazin vorhalten: Friedhelm, sei nicht trotzig, werde frecher!

Und eines noch. Im anfangs erwähnten Lied heißt es übersetzt: “Alle Leute hier sind irgendwie am Boden zerstört, die Augen ganz tief versenkt in ihrem staubigen Gesicht.  Nicht so wir! Nein, denn dazu sind wir doch viel zu jung und clever.“  -  In diesem Sinne: Come on Aydin!

Geschrieben für westline

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