Dienstag, 10. April 2012

Fastenbrechen


Arbeitsschuhe ?
Ich fand meine Leistung in der Fastenzeit schon nicht schlecht: Kein Alkohol und keine Süßigkeiten. Das Ganze bis Ostersonntag, dann war Schluss mit der Enthaltsamkeit und einige Fiege katapultierten mich wieder ins wahre Leben. Doch der VfL macht es noch eine Nummer härter. In der Fastenzeit gab es nur einen mageren Punkt, beim sogenannten „großen Schritt nach vorne“ in Paderborn, und fünf leidvolle Niederlagen. Für den Betrachter ist der Kreuzweg da fast eine Vatertagstour gegen. Und damit nicht genug. Der VfL ist päpstlicher als der Papst und kasteit sich Ostern noch einmal prächtig zu Hause gegen einen Abstiegskandidaten. Zudem ist ein Inui-Treffer die gesamte Torausbeute der letzten 565 Minuten, das sind 9 Stunden und 25 Minuten oder in irdischer Zeitrechnung rund 19 Folgen der Lindenstraße lang. Fortsetzung nicht ausgeschlossen. Da kriegt "Fastenbrechen" eine ganz neue Bedeutung.

Die verbleibenden knapp 10.000 Bochumer Anhänger, die es Ostersonntag ins Stadion gezogen hat, werden sich einmal mehr über die Leistung ihrer Mannschaft geärgert haben. Und mittlerweile dürfte der Ärger über die Sprüche der Bochumer Verantwortlichen ebenfalls beträchtlich gewachsen sein, denn es gibt zu viele Floskeln und wenig deutliche Worte und Selbstkritik. „Die Mannschaft zeigt Leidenschaft und Einsatz. Aber sie wird beeinflusst von einer unglaublichen Verletzungsmisere und von einer kuriosen Serie von unfassbaren Gegentoren“, sagt Jens Todt. Bei mir zu Hause wäre diese Definition von Leidenschaft und Einsatz Grund genug für meine Frau, die Scheidung einzureichen wegen Nichterfüllung ehelicher Pflichten. Zumindest darf doch wohl erwartet werden, dass mehr gerannt wird als es der Gegner macht. Aber leider war auch diese Bilanz, wie schon bei den letzten beiden Heimpleiten, negativ. Grundtugenden fehlen. Es müsste doch mindestens früh attackiert, um die Bälle im Mittelfeld gefightet und auch mal die eine oder andere schmutzige Grätsche oder ein Sprint hinter einem verlorenen geglaubten Ball geboten werden. Aber Fehlanzeige. Neben der obligatorischen gelben Karte für Freier gab es eine für Halten. Ein Vergehen, das man macht, wenn der Gegner so weit weg ist, dass man ihn nicht mehr mit den Füßen aufhalten kann. Wieso stehen unsere Jungs immer zwei Meter weg vom Gegenspieler? Kennt man aggressives Pressing nur noch vom Orangensaft machen? 

"Diese Mannschaft wird auf jeden Fall um den Klassenerhalt kämpfen und ich hoffe, dass unsere Fans auf den Tribünen zusammen mit uns genauso fighten“, so Trainer Bergmann vor dem KSC-Spiel. Solange sich die Mannschaft so unengagiert präsentiert haben sie und der Trainer nicht das Recht, die Unterstützung der Fans einzufordern. Umgekehrt stehen die Spieler in der Pflicht, die Anhänger zurückzugewinnen, die sie über Wochen hinweg maßlos enttäuschen und vertrieben haben. „Diese Mannschaft weiß, welche Erwartungen an sie gestellt werden. Das ist auch Teil eines Problems, das sie hat. Manchmal wünschte ich mir, die Jungs wären etwas abgebrühter“, ergänzt Jens Todt und ich frage mich ganz ehrlich, ob er das wirklich ernst meinen kann. Die Mannschaft versagt gegen Dresden, Ingolstadt und Karlsruhe, weil der Erwartungsdruck von 10.000 Zuschauern zu groß ist? Wenn dem so ist, dann braucht es ganz schnell einen Sportpsychologen. Was für einen Druck hat die Mannschaft denn? Alles geben und verlieren wurde in Bochum immer schon verziehen. Ein Problem haben allerdings die Mitarbeiter beim VfL, die aufgrund der nicht enden wollenden Talfahrt um ihren Job bangen müssen und die Fans, aber das wird nicht thematisiert. Sollen Trainer und Sportvorstand doch mal eine Handvoll der eingefleischten Anhänger zur Videoanalyse des Spiels mitbringen. Vielleicht macht das den Kopf mal klar. 

Und ehrlich gesagt hinterfrage ich das Auftreten einiger Spieler. Wer meint, mit neon-rosa-orangen Schuhen seine Arbeit verrichten zu müssen und anschließend mit königsblauem Jackett durch die revirpower-Lounge stolzieren zu müssen, der hat für mich nicht verinnerlicht, wo er ist und was von ihm erwartet wird. Wer den Laufsteg sucht, der darf um Bochum gerne einen Bogen machen. - Auf unserer Königsallee finden keine Modenschauen statt. Hier wo das Herz noch zählt.

Noch einmal Jens Todt zum Thema Erwartungshaltung: „Wir befinden uns sicherlich gerade in einem Zwischentief, grundsätzlich sehe ich die Entwicklung der Mannschaft aber positiv.“ Na, da dürfen wir uns ja auch einiges gefasst machen. Ich, und da glaube ich mich nicht alleine, sehe die Entwicklung der Mannschaft extrem negativ, trotz einiger kleiner Zwischenhochs. Und für mich ist es mittlerweile auch ein Führungsspieler-Problem. Hinter diesen wird sich versteckt, der Mannschaft fehlt individueller Mut und Kreativität. Die Jungs haben kein Selbstbewusstsein, die Ärmel hochzukrempeln und Initiative zu ergreifen. Es fehlt der Teamgeist sich gegenseitig aufzubauen und mitzureißen. Wenn angebliche „wichtige“ Spieler das Laufen einstellen und sich darauf beschränken, vielleicht irgendwann mal den final-genialen Pass zu spielen, dann ist das Stehgeigerfußball. Diese Struktur der Lethargie auf dem Platz muss endlich einmal durchbrochen werden. Mit Wucht und mit offenen Worten.  Am Mittwoch werden die  Aachener ihren eigenen Rasen zerstören um uns zu besiegen. Und dem haben wir, Stand heute, nichts entgegenzuwerfen. Auferstehungsfeiern zu Ostern sehen anders aus. 

Mein Tipp: Alemannia Aachen - VfL Bochum 3:1

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