Donnerstag, 12. Juli 2012

Die Zeiten ändern sich, aber die Hoffnung stirbt immer noch zuletzt

Vielleicht ist es zu früh, aber nach ein paar Wochen Vorbereitung und fünf Testspielen darf man schon mal ein Zwischenfazit ziehen und das vorsichtige Saisonziel (mit einem durchschnittlichen Etat überdurchschnittliches erreichen) gegenhalten.

Von den elf Abgängen sind Daniel Ginczek, Mimoun Azaouagh, Kevin Vogt und Takashi Inui als überdurchschnittliche Zweitligaspieler zu werten. Dazu kam im Laufe der Saison noch Chong Tese (na ja).

Von den zehn Zugängen kann man dieses Prädikat wohl nur Alexander Iashvili (Karlsruher SC, 34) und Zlatko Dedic (Dynamo Dresden, 27) zusprechen. Alle anderen dürften zwar Potential haben, aber sie dieses abrufen können muss wohl geduldig abgewartet werden. Die größten Hoffnungen setzt man dabei auf den 17-jährigen Junioren-Nationalspieler Leon Goretzka. Setzt er seine Entwicklung fort, dürfte er dem VfL bald einen Geldsegen einbringen.

Die letzten drei Vorbereitungsspiele haben gezeigt, dass der VfL noch lange nicht ein Team in Form ist. Gegen Regionalligisten gab es zwei mehr oder weniger standesgemäße Siege, aber auch ein desaströses 0:2 gegen Hüls. In allen Bereichen besteht gewaltiges Potential nach oben.

Besorgniserregend erscheint momentan die Transferpolitik des VfL. Für Inui (und Azaouagh) muss im Mittelfeld unbedingt Ersatz her. Der Japaner Hiroki Yamada galt schon als sicherer Zugang. Allerdings schnellte die Ablösesumme (zunächst waren 500.000 € in Gespräch) in für den VfL unerreichbare Höhen. Nun steht Sehar Fejzuhali auf der Liste. Als Gastspieler überzeugte er bei den Testspielen gegen Oberhausen und Köln nur bedingt. Gleichwohl tendiert der VfL wohl mangels Alternativen zu einer Verpflichtung. Das lässt die Sorgenfalten gleich aus zwei Richtungen wachsen: Es gibt für den VfL keine adäquaten (bezahlbaren) Spieler auf dem Markt, die zugleich eine sportliche Bereicherung wären. In der Konsequenz wird der Kader schlechter sein als letztes Jahr und die Chance liegt nur darin, aus dem Potential überdurchschnittlich viel herauszuholen.
Ob und wann das gelingt ist fraglich und wahrscheinlich genau das Spannende, was Jens Todt dem VfL-Anhang versprochen hat. Die Saison beginnt für den VfL mit einen vom Papier her gutem Programm. Zu Hause gegen Dresden, in Paderborn, gegen Aalen und in Regensburg um dann mit 1860 einen potentiellen Mitfavoriten zu Hause zu empfangen. Früher hätte man sich ausgemalt, am 5. Spieltag als Spitzenreiter vor 25.000 Zuschauern zu spielen. Heute sorgt man sich eher darum, von den Löwen ins untere Tabellendrittel geschossen zu werden, nachdem man in der ersten Pokalrunde in Heidenheim die Segel streichen musste. Die Zeiten ändern sich.
Trotzdem bleibt Hoffnung, dass sich in den verbleibenden drei Wochen noch ein Team findet, mit dem sich die Zuschauer identifizieren können und das für positive Momente sorgt. Diese Hoffnung stirbt auch im Bochum immer zuletzt.



  

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