Dienstag, 31. Juli 2012

The Dark Night Rises

"The Dark Night Rises" könnte man den Blick auf die bevorstehende Saison des VfL in leichter Abwandlung des aktuellen Kino-Highlights umschreiben. Nicht um Panik-Szenarien herauf zu beschwören, nicht um alles schlecht zu reden oder den von den Medien initiierten Ruf der "kritischen Fans" in Bochum zu pflegen.Daran kann kein VfL-Anhänger Interesse haben. Aber bei nüchterner Betrachtung der Entwicklung in den letzten Jahren ist nun wohl Teil 3 der Falling-Down-Triologie an der Castroper Straße zu befürchten.

Die Transferaktivitäten des VfL haben einerseits unmissverständlich klar gemacht, in welcher finanziellen Situation sich der Verein befindet. Es wurde verkauft, was Geld bringt. Alleine Dedic und Luthe mussten (zum Glück) mangels adäquaten Angeboten gehalten werden. Andererseits wissen wir, dass der erforderliche radikale Umbruch nach zwei vergeblichen Aufstiegsversuchen nun zwingend war. Rund ein Dutzend Spieler sind neu (oder fast neu) im Kader und keiner kann nun erwarten, dass sofort alles rund läuft, die Neuverpflichtungen allesamt einschlagen und das Team von Beginn an harmoniert und Erfolg hat. Wenn sich die Hälfte der Neuzugänge als Treffer herausstellen und die Mannschaft eine gute Entwicklung nimmt, dann wäre es ein großartiger Erfolg, dem in der darauffolgenden Saison der zweite Schritt folgen kann. Mehr sollten wir in dieser Saison nicht erwarten, uns aber auch nicht mit weniger zufrieden geben als mit Wille, Kampf und Leidenschaft.

Verständlich ist, dass von Euphorie in Bochum wenig zu spüren ist. Zu schlecht die letzte Saison, zu unspektakulär die Transferaktivitäten, zu mies die Vorbereitungsspiele. Für die Niederlagen gegen Hüls, Havelse und Osnabrück gibt es keine Entschuldigungen. Die Frühform von Dresden (3:0 gegen West Ham United) und Heidenheim (4:0 in Erfurt, zwei Treffer Thurk) hinterlassen bereits jetzt tiefe Sorgenfalten auf der VfL-Stirn, könnte die Saison doch schon nach wenigen Wochen quasi gelaufen sein.

Viel beängstigender ist nach meinem Empfinden aber, dass in Bochum anscheinend immer mehr Menschen auf Distanz zum Verein gehen. Wenn man nicht ein 1848%-iger VfLer ist, dann ist dies aufgrund der Entwicklung vielleicht sogar verständlich. Gleichwohl gilt es, in der schwierigsten Situation des VfL seit seinem Bundesliga-Aufstieg vor immerhin 41 Jahren, gerade jetzt den Club zu unterstützen und zu helfen. Solidarität wurde in Bochum immer dann besonders groß geschrieben, wenn es ans Eingemachte ging und wenn ein absehbarer Wandel viele Menschen traf. Kohle, Stahl,  Nokia, Opel, … - Und jetzt der VfL?

Der Dauerkartenverkauf läuft schlecht wie lange nicht mehr und dürfte wohl unter der Marke von 4.000 kleben bleiben. Zum Vergleich: RW Essen hat weit über 4.000 Dauerkarten verkauft, Alemannia Aachen 6.000, Osnabrück 5.500 und sogar Heidenheim 5.000 Stück. Zudem sind weniger als 1.000 der neuen Trikots über die Ladentheke gegangen. Bei der Saisoneröffnung waren gerade mal 10.000 Zuschauer im Stadion, nicht wenige davon aus Gladbach. Auch hier der Vergleich: In Aachen waren 17.000 bei der Saisoneröffnung, in Dresden beim erwähnten Spiel gegen West Ham 28.000.

Alleine die Aktion „Ehrensache“ zur Steigerung der Mitgliederzahl lässt sich in Bochum als (kleiner) Erfolg verbuchen. Die Steigerung um 10-15% auf 4.500 Mitglieder verblasst allerdings gegenüber dem Anstieg bei Fortuna Düsseldorf, die binnen sechs Jahren ihre Mitgliederzahl von etwas über 2.000 auf nun 17.000 gesteigert hat. Union Berlin und Arminia Bielefeld liegen bei über 10.000, Aachen bei 8.700, RW Essen knapp unter 4.000 und Bayer Leverkusen hat gar über 25.000 Mitglieder in ihrem Bayer-04-Club…
Man sieht, dass momentan an allen Ecken und Enden Potential nach oben ist. Soll jeder, dem der Verein am Herzen liegt seinen Teil dazu beitragen, dass es gemeinsam und stetig wieder aufwärts geht.
Es ist zu hoffen, dass die Bochumer einen guten Start erwischen und die Zuschauer von einer Leidenschaft angesteckt werden, die lange im Stadion vermisst wurde. Auch wenn Trainer und Spieler in der Bringschuld sind, sollten wir Fans ihnen die bedingungslose Unterstützung und den Vertrauensvorschuss geben, der vielleicht ausschlaggebend in einem engen Spiel und für eine Wende zum Guten sein kann. Vielleicht erleben wir dann am Samstag unser „Breaking Dawn“. Eine Morgendämmerung wäre allen Beteiligten auf unserer Seite sehr zu wünschen.


Bild von Scudetto 

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