Mit einem 4:0 feierte der VfL den zweiten Sieg der jungen
Rückrunde, revanchierte sich für die gleichhohe Peite in der Hinrunde und gab
den rund 10.000 Zuschauern ein Stück Hoffnung zurück. Hoffnung, die am Mittwoch
im Pokal-Achtelfinale gegen 1860 München einem versöhnlichen Jahresabschluss
weichen soll. Während die Bochumer Mannschaft (relativ) glänzte spielten sich die
unschönen Szenen diesmal im Bochumer Fan-Bereich ab. Die Ultras wollten den
12:12-Aktionen noch eins obendrauf setzen und forderten per Spruchband die
Ostkurve zu 90-minütigen Schweigen auf. Eine Anordnung, der umgehend nicht
gefolgt wurde. Auch die Trommler in der Ostkurve nutzten ihre Musikinstrumente nicht, auch wenn ein großer Teil der Kurve “Wir
wolln die Trommeln hörn“ skandierte. Die Situation zwischen Boykotteuren und Unterstützern eskalierte zeitweilig über
die Mittelfinger hinaus und volle Bierbecher wechselten auf kürzestem Wege
ihren Standort. „Ultras raus“ und „Ohne Ultras gewinnen wir jedes Spiel“ schallte durchs Stadion. Unbeeindruckt vom Support-Boykott feuerte ein Großteil
der Anhänger von Block A über die Ostkurve bis hin zur Haupttribüne ihre
Mannschaft an. Mit Erfolg und mit Freude.
Mittlerweile finden in den üblichen Internetforen die Verbalscharmützel
statt. Wie in anderen Stadien auch spaltet sich die Fan-Szene. Eine
interessante Entwicklung bei der man davon ausgehen kann, dass die Ultras hier
nicht den langen Atem haben und zweiter Sieger auf der Strecke bleiben werden.
Es sei denn, sie kommen zur Besinnung und nehmen die ihnen ausgestreckten
Hände, die ihnen auch am Sonntag mit „Wir sind alle Bochumer Jungs“-Gesängen entgegengebracht
wurden, an. Erfreulich, dass bei den Ultras anscheinend ein Nachdenken eingesetzt hat und ein Dialog angeboten wurde.
Ob jemand Lust auf Dialog hat, bzw. ob dieser zu etwas führen würde, wage ich zu bezweifeln. Viele Zuschauer und Fans haben die Aktionen der Ultras gegen
das Sicherheitskonzept mitgetragen oder zumindest toleriert. Sicherlich auch
deshalb, weil die Ultras durchaus (wenn auch nicht vollumfänglich) akzeptiert
und als Teil der Fan-Szene gesehen werden. Anerkennung verdienen sie sich immer
wieder durch ihre Präsenz bei Auswärtsspielen und den nimmermüden Support.
Anerkennung, die sie sich aber selber durch diverse Pyro-Aktionen wieder zunichtemachen.
Am Sonntag wurde den Ultras aber auch sehr deutlich gemacht, dass sie sich
nicht alles rausnehmen können, dass sie nicht die Herren der Kurve sind und
dass sie gefälligst auch zu respektieren haben, dass es andere Meinungen zum
Sicherheitskonzept gibt.
Hoffentlich führt die besinnliche Weihnachtszeit dazu, dass die Unterstützung der Mannschaft wieder gemeinsam erfolgt. Denn das ist es, was der VfL braucht. Besonders jetzt im Pokalspiel.
Die siegreiche Mannschaft muss leider umgestellt werden, weil Kramer seine dämliche Gelb-Rote Karte aus dem Pokalspiel in Havelse absitzen muss. Somit dürfte Iashvili sich erneut versuchen und Goretzka eine defensivere Aufgabe übernehmen. Die Löwen, mit zuletzt drei Remis in der Liga, brüllen ihren Erwartungen hinterher und sind in der momentanen Situation ein schlagbarer Gegner. Bochum kann nach 10 Jahren (Siege gegen Aue, Kiel und den HSV) mal wieder das Viertelfinale erreichen (seinerzeit 3:4 i.E. gegen Lautern). Schön wär's...
Mein Tipp: VfL Bochum - 1860 München 2:1
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