Dienstag, 11. Februar 2014

Déjà-vu und der Lockruf des Kölschs



Nach sieben Wochen Winterpause bin ich mit angemessener Freude wieder in Richtung Castroper gezogen. was Ende letzten Jahres war hatte ich erfolgreich verdrängt. Der Blick auf die Tabelle und den Gegner zeigte klar den Weg: Sieg und zurück ins Mittelfeld. Viel schiefgehen sollte nicht, denn der VfL hatte ja "eine optimale Vorbereitung hingelegt, auch wenn mir das eine oder andere Ergebnis nicht gefallen hat", sagt der Trainer. - Hatte ich zwar nicht so in Erinnerung, aber ich bin ja kein Trainer. "Die Mannschaft brennt und will am Freitag endlich im heimischen Stadion gewinnen", zumindest damit waren wir auf gleicher Linie...
Das Fazit vorweg: Die erste Halbzeit war schlecht, die zweite eine Katastrophe, aber wem sag ich da. Schon die Aufstellung hatte mich stutzig gemacht. 5 geteilt durch 4 gleich 1, Rest 1 hatte ich in der Schule gelernt. Aber beim Fußball gelten wohl andere Gesetze. Der Blick nach vorne: Knippser Sukuta-Pasu und sonst nichts. Urplötzlich hatte in das Bild von Vratislav Lokvenc vor Augen. Keine Ahnung warum, vielleicht ein Taktik-déjà-vu? Und dann die dänische Sturmfrisur, die wohl am allermeisten darauf achtete, dass seine Haarpracht auch bei diesem Wetter hält. Der vierte unsägliche Auftritt in Folge und eine Degradierung in Zweite Mannschaft wäre die einzige logische Konsequenz. Aber damit tut man sich in Bochum schwer. Nicht mit Konsequenzen, aber mit logischen...


Spätesten jetzt zeichnet sich ab, das Neururer vielleicht doch eine selbsterfüllende Prophezeiung ist. Anfangs stark motivieren, aber dann keine neuen Impulse vor allem inhaltlicher Art mehr setzen können. Da klingeln einem auch die jüngsten Worte von Christoph Kramer in den Ohren. Demnach sei Neururer seinerzeit zwar genau der Richtige gewesen, um einer total verkrampften Mannschaft die Freude am Spiel zurückzugeben, „aber trainingstechnisch liegen keine Welten zwischen Favre und Neururer, da liegt ein ganzes Universum dazwischen“. So weit so deutlich. Und Kramer ist sicherlich keiner, der dem VfL irgendetwas schlechtes will. Ebenso wie Lothar Woelk. Unabhängig davon, ob man dem Blatt ein Interview geben muss, darf man sich als VfL-Verantwortlicher auch mal zurück halten. Und sollte es vielleicht auch, wenn man mit dem Rücken zur Wand steht.

Doch wie soll es nun weiter gehen? Die Geduld der Fans findet ihr Ende. Läuft das nächste Heimspiel so wie die letzten, was sicherlich das Abrutschen auf einen Abstiegsrang bedeutet, schauen sich alle ratlos an. Es gibt in Bochum keinen Plan C, denn es hat auch schon keinen Plan B gegeben (Neuverpflichtung im Winter, wenn es sportlich nicht läuft). Aber nachdem uns mit Koller, Herrlich, Bergmann, Neitzel und Funkel schon eine Reihe von unterschiedlichen Trainern nicht helfen konnten, bin auch ich ratlos, wer oder was uns noch helfen kann. Eine Mannschaft mit Charakter wäre gut, aber die braucht natürlich auch die Impulse im Training, um sich zu verbessern. Sonst drehen sehr schnell einige Spieler hier ihre Abschiedpirouetten, so wie Ilsö, Cwielong und Tasaka. 

Der Freitag endete für mich so, wie ich es als VfLer momentan wohl verdient hab. In einem kölschen Brauhaus wo hundert Menschen die FC-Hymne schmetterten und zwischen zwei bezaubernden Freundinnen, die mich seit Wochen umwerben, nächste Saison doch mit ihnen gemeinsam eine Dauerkarte in Leverkusen zu holen. Zum Glück kam der Kellner rechtzeitig und spendete mir reichlich Trost in Gläsern. Ich befürchte, am Samstag in Hamburg muss ich schon um 14 Uhr zu solchen Mitteln greifen.

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