Dienstag, 14. Oktober 2014

Wie kehrt der neue Besen auf der Mitgliederversammlung?

Die positive Ruhe beim VfL war schon beunruhigend. Die Neururer-Kritiker sind aktuell kaum laut und ernsthaft zu vernehmen, die Sestak-Millionen, die Transfers von Goretzka und Klostermann längst abgehakt und die Diskussionen drehen sich tatsächlich darum, welcher Spieler auf welcher Position und mit welchen Mitspieler die beste von zahlreichen Optionen ist…

Doch rechtzeitig zur Jahreshauptversammlung hat der neue Besen im Amt des Vorstands Finanzen  mal eine Arbeitsprobe gegeben und gezeigt, wie er zu kehren gedenkt: Zu hinterfragende 150.000 Euro Einsparung durch Auflösung der Frauen- und Mädchenabteilung. Verbunden mit der Aussage, dass dies nicht die einzige und letzte Maßnahme sein wird, um den VfL finanziell gesund aufzustellen. Da bleibt den temporär entspannten VfL-Anhängern das Fiege in Halse stecken. Wie schlecht ist es um den VfL tatsächlich bestellt und was ist an Einschnitten, auch im personellen Bereich, noch zu befürchten? 

Während zum Beispiel finanziell schwächelnde Kommunen die Einnahmen erhöhen, um die Kosten ein Stück weit zu decken, müssen der VfL und andere Unternehmen, sofern sie die Einnahmen nicht erhöhen können, die Kosten senken. Ein Mechanismus, den Aufsichtsratsvorsitzender Villis, der die Einnahmenseite des VfL entgegen den damals geweckten Hoffnungen, nicht merklich zu verbessern vermochte,  kennt. Wenn auch eher in anderen Größenordnungen als im sechsstelligen Bereich… 

Vor diesem offensichtlichen finanziellen Dilemma mag man den Goretzka-Transfer auch in einem anderen Licht sehen. Der VfL musste Goretzka verkaufen, alles drum herum war nur Theater, um den Preis hoch zu halten. Und auch das Festhalten an Peter Neururer könnte nicht unwesentlich davon getrieben worden sein, dass das Geld für eine Ablösung schlichtweg fehlte. Eine von mir (eingestandenermaßen böswillig) unterstellte Taktik, ihn in einer perspektivlosen Saison bis in die Rückrunde zu halten, scheint aber nicht aufzugehen. Der VfL steht über den Erwartungen dar, einen Zuschauerschnitt von 21.000, war zwischenzeitlich Spitzenreiter und könnte sogar die 3. Pokalhauptrunde mit allen positiven Optionen erreichen. Aber davon ab: Die Frage, wo der VfL wirtschaftlich steht, erscheint  unklarer, als es die letzten Wasserstandsmeldungen vermuten ließen, zumal auch auf das Engagement städtischer Betriebe nicht mehr übermäßig zu setzen ist. Aber das ist ja bereits kommuniziert worden.

Deshalb mögen alles Diskussionen, ob sich der VfL die 150.000 Euro für Frauen- und Mädchenfußball aktuell und perspektivisch leisten kann unter einem anderen Licht erscheinen, wenn es sich tatsächlich um einen deutlich höheren Betrag geht, den der VfL stabil erwirtschaften oder  eben einsparen muss. Denn Goretzka-Millionen fließen auch nicht kontinuierlich.
Sollte es aber tatsächlich „nur“ um 150.000 Euro gehen, dann sind kreative Maßnahmen erforderlich und möglich. Ich erinnere mich an die Diskussionen in meiner Heimatstadt (und sicher auch woanders), ob Schwimmbäder geschlossen werden dürfen. Keiner wollte das, aber auch keiner war bereit z.B. vorab eine Jahreskarte zu kaufen, um die Finanzierung sicherzustellen. Je 50.000 Euro vom VfL, von neuen Sponsoren und in Eigenleistung der Frauen bzw. Mädchen (z.B. Verkauf von 1.000 symbolischen Jahreskarten a 50 Euro). Oder die Ultras und deren Nachahmer verzichten mal auf Pyro-Technik und ersparen dem VfL damit einige zehntausend Euro an Strafen...

Oft klafft zwischen Worten und Taten allerdings eine große Lücke. Natürlich ist jeder gegen eine Bezahlung unter Mindestlohn, aber bei weitem ist nicht jeder bereit, beim Friseur mehr zu bezahlen. Natürlich ist industrielle Massentierhaltung abzulehnen, aber die Hähnchenkeulen beim Discounter sollen nur 2,99 Euro kosten.  Am kommenden Sonntag um 11 Uhr haben die verbalen Unterstützer die Chance, ihren Worten Taten folgen zu lassen und die Frauen im Spiel gegen Wolfsburg gemeinsam mit den 50 treuen Anhängern zu unterstützen. Und am Wochenende des Spiels der Männer in Leipzig, dass ja von sehr vielen wegen des „Red Bull“-Engagements  boykottiert wird (ich unterstütze diese Aktion) könnte es eine Kultfahrt der Bochum-Fans nach Meppen zum Siel der Frauen  geben. Viel mehr symbolische Unterstützung ist nicht möglich, würde aber helfen, wenn es wirklich darum gehen sollte, den Frauen- und Mädchenfußball beim VfL zu halten. . Fehlen allerdings immer noch die Euros.

Kurzum dürfen wir uns nun doch leider auf eine spannende und hoffentlich sachliche Mitgliederversammlung einstimmen und hoffen, dass das Debüt von Wilken Engelbracht nicht der Beginn einer neuen Depression wird…      

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