Dienstag, 11. November 2014

Raus und Ruhe oder Ruhe und Raus

Mit dem späten Ausgleich in Kaiserslautern haben die beiden zuletzt erfolglosen Terodde und Sestak dem VfL und Trainer Neururer etwas Ruhe verschafft. Ruhe, die beim nächsten Heimspiel gegen den nächsten Tabellenletzten Aalen sehr schnell wieder den lauter werdenden „Raus!“-Rufen weichen kann, sollte der VfL keine überzeugende Leistung abliefern und den ersten Heim-Dreier einfahren.

Die Aufregung um die Reaktion einiger VfL-Anhänger gegenüber Kapitän Luthe hat sich glücklicherweise schnell gelegt. Am souveränsten hat sich dabei der Kapitän selber verhalten. Andreas Luthe hat sich in den letzten Monaten immer wieder der Verantwortung gestellt und schlechte Leistungen, Abwärtstrends und die Abwendung des Publikums vor den Kameras und den Journalisten kommentiert. Selbstkritisch, aber auch loyal. Dass er damit, neben dem Trainer, Angriffsfläche bietet, wenn es sich nichts ändert und er Woche für Woche die gleiche Leier anspielen muss, Besserung in Aussicht stellt, den Trainer in Schutz nimmt und das Publikum wieder einfangen will, dürfte ihm klar sein. Dass sich der berechtigte Zorn der Zuschauer nun auch an ihm entlädt, wird Luthe nachvollziehen können. Auch wenn er in dieser Form nicht fair und gerechtfertigt ist. -  Aber so ist das halt mit dem Zorn. Luthe wird zweifellos nächste Woche Freitag genauso positiv begrüßt werden, wie es bei jedem Heimspiel der Fall ist. Vielleicht sogar noch etwas positiver, den einige Fans wird das schlechte Gewissen durch die überzogene Reaktion antreiben. Unabhängig davon ist seine Position aber nicht mehr unantastbar, denn Keeper Esser hat bei seinen Auftritten keine schlechtere Leistung abgeliefert.

Die Beziehung zwischen Peter Neururer und den Bochumer Anhängern wird jedoch niemals eine pragmatische und sachliche, um nicht zu sagen eine normale werden. Zu sehr prallen die Außendarstellung des Coaches, die sportliche Entwicklung und die Erwartungen des Publikums aufeinander. Wenn es gut läuft, dann ist Ruhe, aber die Lunte für den nächsten Konflikt ist schon gelegt. Die Einsicht, dass der Trainer die wie auch immer zusammengestellte Mannschaft nicht weiterbringt hat sich kollektiv verankert. Erfolge der Mannschaft stellen sich trotz Neururer ein, nicht wegen ihm. Seine Kommentare zu Leipzig, zu Klostermanns Berater, zu Goretzka, zu Schiedsrichterleistungen und überhaupt sind vor dem Hintergrund der Entwicklung nur noch schwer zu ertragen. Sie interessieren bestenfalls einfach nicht mehr, weil sie immer gleich rüberkommen und andererseits ihnen keine sportlichen Taten gegenüber stehen.

Gleichwohl ist und bleibt Peter Neururer en ganz besonderer Trainer für den VfL. Einer, der sich oft und glaubhaft mit dem Verein identifiziert hat und der es auch weiterhin tun wird. Welcher Trainer der letzten Jahre kann da mithalten? Kein Funkel, kein Herrlich, kein Koller, kein Neitzel, kein Bergmann…  Daher und aus dem Selbstverständnis des VfL, das auch im Leitbild verankert ist, sollten wir uns ihm auch anständig gegenüber verhalten. Natürlich kritisch, natürlich auch offen und direkt, aber in jedem Falle so, wie es Menschen machen, die ein gemeinsames Ziel und eine gemeinsame Leidenschaft haben. Denn auch darauf werden Spieler, sei es aus der eigenen  Jugend oder potentielle Zugänge, andere Mitarbeiter, Sponsoren und das sonstige Umfeld achten. Der VfL darf nicht auch noch seinen guten, familiären und professionellen Ruf verlieren.  Denn sehr viel mehr bleibt uns dann nicht ….

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen